20. April 2011

Guerilla-Aktion mit knallbunter Fassade

11-4-20 Rebl Ausbau und Fassade - Guerilla-Aktion mit knallbunter FassadeMit einem gewaltigen Paukenschlag beenden der Landauer Malermeister Franz Rebl jun. und der bundesweit tätige Künstler Carsten Kruse - beide bestens bekannt durch das skandalöse „Bunte Haus“ in Regensburg aus dem Jahr 2009 - die langweilige Unantastbarkeit weißer Fassaden in Deutschland. Sie wollen eine Zeit der phantasievollen Buntheit für Fassaden und Gebäude einläuten.

Auf die Verwandlung von Rebls Münchner Firmensitz am Oertelplatz durch den Künstler Kruse wartete die eingefleischte Fangemeinde der beiden schon lange. Wie immer hat Fassaden-Kunst-Liebhaber Rebl „seinem“ Künstler bei der Gestaltung seines Gebäudes freie Hand gelassen und dieser hat sich natürlich nicht lange bitten lassen. Herausgekommen ist ein unglaublich poppiges, farbenfrohes Kunstwerk, dass sogar die an Buntheit und Wildheit scheinbar kaum noch zu übertreffende Fassade des Rebl- Hauses in Regensburg spielend in den Schatten stellt. In typischer (Guerilla-) Manier ist so nach Ansicht des Malers und seines Künstlers in München das bunteste Haus Deutschlands entstanden. Es ist das sechste gemeinsame Projekt der beiden.

Völlig kompromisslos fressen sich vier stark abstrahierte, überdimensionale Comic- Figuren durch die knallbunte Fassade und scheinen dabei regelrecht zu explodieren. Alle Strukturen sind aufgelöst und so entsteht der besonders lebhafte, unglaublich energetische Charakter dieses fröhlichen Monuments des Widerstands gegen uniform gestaltete Einheitsfassaden. Wie gekleckst wirkend, dominieren riesige Augen hinter bunten, völlig ausgeflippten Brillen und zu Berge stehende Haare das Geschehen. Gerade Linien und rechte Winkel sucht das umher schweifende Auge des atemlosen Betrachters ebenso vergebens, wie Orientierungspunkte zum Verweilen und Verschnaufen. Doch gerade dadurch entfaltet diese wilde Farborgie ihre magische Wirkung. Und dabei ist jeder Arbeitsschritt genauestens durchgeplant. Spontane Veränderungen des Entwurfs oder Improvisationen während des Aufzeichnens könnten katastrophale Folgen für das gesamte Projekt oder den zeitlichen Ablauf der einzelnen Arbeitsschritte haben. „Man kann sich schnell in einer Fassade mit diesen Dimensionen verlieren“, so Kruse. Deshalb sitzt bei diesen Projekten immer jede Linie an ihrem zuvor bestimmten Platz. Anschließend haben Rebls spezialisierte Mitarbeiter die Flächen mit einer unglaublichen Präzision und mit denen für Kruses Pop- Objekten typischen, grellen Farben gefüllt und die Umrisslinien exakt nachgezogen. So ist ein für die Allgemeinheit zugängliches, überdimensionales Kunstwerk von einzigartiger Buntheit entstanden, das auch die gestalterische Philosophie ihrer beiden Urheber sehr gut widerspiegelt.

Denn Kruse sieht Fassaden allgemein, bis auf wenige Ausnahmen, in einem rückständigen, der gesellschaftlichen Entwicklung hinterher hinkenden Zustand, vergleichbar mit der Entwicklung des weißen Herrenhemds von 1850 bis zum T-Shirt von heute. „ Wer hätte vor 150 Jahren gedacht, dass eines Tages Menschen mit bunt bedruckten T-Shirts herumlaufen und sich auch noch darin wohl fühlen. Und wehe dem, der sich damals ein Hemd bunt bemalt hätte“, so der umtriebige Künstler. Nach Kruse bleibt die Fassade regelmäßig weit hinter ihrem Gestaltungspotential zurück.

„Deshalb muss sie von ihren gestalterischen Zwängen befreit und von ihrer Unantastbarkeit in den Zustand eines zeitgemäßen, fröhlichen Anything goes geführt werden. Architektonische Regeln sind dabei aufgehoben. Die Fassade wird so zur überdimensionalen Leinwand. Und fristen knallbunte Häuser heute noch eher ein Schatten- Dasein, so sieht Rebl bereits eine langfristige und unausweichliche Tendenz hin zu einem spielerischerem Einsatz von Farbe an Bauwerken . Und als einer der größten Malerbetriebe Bayerns wird er seinen Anteil an dieser Entwicklung haben. So können auch in Zukunft viele Menschen Freude an bunten Häusern haben.