13. Mai 2011

Prognose für deutschen Hochbau »verhalten positiv«

Im vergangenen Jahr konnte sich der deutsche Hochbau von der Finanzkrise erholen und eine Umsatzsteigerung von 1,6 Prozent erzielen. Die Unternehmensberatung OC&C Strategy Consultants prognostiziert in ihrer jährlich erscheinenden Hochbau-Prognose auch für die kommenden Jahre eine verhalten positive Entwicklung.


Für das Jahr 2011 rechnen die OC&C-Experten mit einem Hochbauvolumen von knapp 200 Milliarden Euro und einem Wachstum von 1,5 Prozent. Für die Jahre 2012 und 2013 prognostiziert die Studie einen anhaltenden, aber leicht nachlassenden Anstieg des Volumens für alle Teilmärkte des Hochbaus.


Mittelfristige Trends lassen insbesondere auf verstärkte Neubau-Aktivitäten im Bereich der Ein- und Zwei-Familienhäuser sowie der Geschosswohnungen schließen. Gleichzeitig verdeutlichen die Ergebnisse, dass infolge der positiven gesamtwirtschaftlichen Entwicklung auch mit einem steigenden Renovierungsvolumen und einem leicht wachsenden Wirtschaftsbau zu rechnen ist. Im öffentlichen Bau dagegen wird der Markt schrumpfen. Investitionen in diesem Bereich werden aufgrund auslaufender Konjunkturpakete und der hohen Verschuldung der Kommunen gedrosselt. Demnach werden bis 2013 der gewerbliche Wohnungsbau um durchschnittlich 1,5 Prozent, der private Wohnungsbau um 1,1 Prozent sowie der Nichtwohnungsbau um 0,8 Prozent pro Jahr zulegen.


Positive Konjunkturentwicklung beflügelt den Bau
»Die Wachstumserwartung ist vor allem der positiven Konjunkturentwicklung geschuldet. Davon profitieren private und gewerbliche Auftraggeber in Ost- und Westdeutschland gleichermaßen«, erklärt Axel Schäfer, der für den Bausektor verantwortliche OC&C-Partner, die Ergebnisse der Studie. »Zudem fördern eine Reihe weiterer Einflussfaktoren die jüngste Entwicklung des Hochbaus: günstige Finanzierungskonditionen für Neubau und Renovierungen, eine verbesserte Arbeitsplatzsituation, die positive Stimmungslage privater Haushalte sowie soziodemographische Faktoren. Derzeit deuten Indikatoren wie die Auftragslage der Hochbauunternehmen und die Anzahl der Baugenehmigungen auf das erwartete Wachstum hin«, so Schäfer weiter.


Nur leichte Unterschiede zwischen Ost und West
Die Entwicklung des Hochbaus nähert sich in Ost- und Westdeutschland stetig einem einheitlichen Niveau an. Die Berater von OC&C schätzen, dass sich die Bauwirtschaft in den alten Bundesländern 2011 mit einem Wachstum von 1,6 Prozent nur leicht positiver entwickeln wird als in den neuen Bundesländern (1,1 Prozent).


Wesentlichen Einfluss auf das Wachstum in den alten Bundesländern hat das Neubausegment sowohl im Wohnungsbau (+2,8% in 2011) als auch im Wirtschaftsbau (+3,6% in 2011), während der öffentliche Bau zurückgeht (–3,1% in 2011). Die günstigen Finanzierungskonditionen und die gute Stimmungslage sorgen für einen Wachstumsschub im privaten Wohnungsbau, ergänzt um die steigende Nachfrage nach städtischen Lagen im Geschosswohnungsbau.


Wachstum im Renovierungsmarkt
Gleichwohl umfasst der Neubau nur rund 35 Prozent des Hochbauvolumens in Westdeutschland, so dass ein deutlich größerer Einfluss vom Renovierungsmarkt ausgeht. Hier prognostiziert die Studie für 2011 ein Wachstum von 1,5 Prozent im westdeutschen Wohnungsbau. Im Nichtwohnungsbau erwartet die Studie infolge schwindender staatlicher Unterstützung für den öffentlichen Bau hingegen einen leichten Rückgang des Renovierungsaufkommens von -0,3 Prozent. Mit Blick auf 2012 wird sich dieses Segment allerdings dank eines starken Wirtschaftsbaus bereits wieder stabilisieren.


Für die neuen Bundesländer erwartet OC&C grundsätzlich eine ähnliche Entwicklung wie im Westen mit einem wachsenden Neubauanteil im Wohnungs- und Nichtwohnungsbau sowie etwas schwächeren, aber positiven Wachstumsraten bei Renovierungen im Wohnungsbau. Die leicht abgeschwächte Prognose für Ostdeutschland ist auf die nach wie vor vorhandene Bevölkerungsmigration von Ost nach West zurückzuführen, die ein geringeres Wachstum des Neubauvolumens sowohl im privaten als auch im gewerblichen Wohnungsbau zur Folge hat. Die auslaufenden Konjunkturprogramme und der Schuldenstand vieler Kommunen dämpfen zusätzlich öffentliche Investitionen – dies wirkt sich in den neuen Bundesländern stärker aus, da der öffentliche Bau einen größeren Teil am Nichtwohnungsmarkt besitzt.


Strategieempfehlungen für Unternehmen
Die positive Entwicklung des Hochbaus im vergangenen Jahr und die zu erwartenden Wachstumsraten des Hochbauvolumens bis 2013 bieten der Branche gute Möglichkeiten: »Die Unternehmen der Baubranche sollten jetzt die Chance nutzen, um ihre Position im wachsenden Markt auszubauen und sich für den zukünftigen Wettbewerb zu rüsten«, lautet daher ein Ratschlag von Axel Schäfer.


Die Berater von OC&C legen umsatzsteigernde Maßnahmen im Vertrieb nahe und halten gegebenenfalls auch eine vorsichtige Anpassung der Kapazitäten für sinnvoll. Für Unternehmen mit einem Fokus auf öffentlichem Hochbau ist eine Kompetenzerweiterung in Richtung Wirtschafts- oder Wohnungsbau zu prüfen. Langfristig sollten sich die Unternehmen im Hinblick auf attraktive Marktsegmente und Kundengruppen klar im Markt positionieren – beispielsweise mit der Ausrichtung des Geschäftes auf ökologisch und ökonomisch nachhaltig agierende Kunden. Für den Ausbau und die Absicherung der aktuellen Marktposition sollten zudem Konsolidierungs- und Internationalisierungsstrategien geprüft werden.