17. Mai 2011

Südbadische Bau- und Ausbauwirtschaft mit der Auftragslage zufrieden

Im Frühjahr 2011 hat sich die Auftragslage im südbadischen Bau- und Ausbaugewerbe im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Dies ergaben Erhebungen von Holzbau Baden, des Fachverbandes Ausbau und Fassade Baden sowie von Schreiner Baden unter ihren Mitgliedsbetrieben im April 2011.

Insgesamt ist festzustellen, dass sich in der Sparte Wohnungsbau die im vergangenen Jahr in Südbaden verzeichnete Zunahme der Baugenehmigungen um 8 Prozent positiv niedergeschlagen hat. Im Wirtschaftsbau hat der gesamtwirtschaftliche Aufschwung teilweise zu einer Erholung geführt. Der öffentliche Bau hingegen ist geprägt vom Auslaufen der staatlichen Konjunkturprogramme sowie von den Sparzwängen bei den öffentlichen Auftraggebern. Im südbadischen Zimmerer- und Holzbaugewerbe bezeichnen für den Bereich Ein- und Zweifamilienhausbau inzwischen wieder fast die Hälfte der Unternehmen ihre Auftragsbestände als groß oder ausreichend. Im Mehrfamilienhausbau hat sich die Lage zwar ebenfalls stabilisiert, doch fallen die Bewertungen hier deutlich schwächer aus. Auch der Wirtschaftsbau hat sich erholt. Dagegen ist die Auftragslage im öffentlichen Hochbau rückläufig. Im Holzhausbau ist – analog zum Wohnungsbau insgesamt - ein konjunktureller Aufwärtstrend zu verspüren. Ähnlich verläuft die Entwicklung im Bereich Modernisierung und Sanierung. In dieser Sparte fallen die Bewertungen weiterhin deutlich günstiger aus als in allen anderen Bereichen: 94 Prozent der Firmen verzeichnen verhältnismäßig große oder ausreichende Auftragsbestände.

Auch das Stuckateurhandwerk profitiert vom Aufwärtstrend am Bau. Im Ein- und Zweifamilienhausbau bezeichnen 80 Prozent der Betriebe ihre Auftragsbestände als groß oder ausreichend. Im Mehrfamilienhausbau liegt dieser Anteil mit nur 30 Prozent erheblich niedriger. In der Sparte Wirtschaftsbau hat sich die Auftragslage etwas aufgehellt, wobei jedoch nach wie vor mehr als zwei Drittel der Firmen über zu geringe Auftragsbestände klagen. Die Umfragewerte für den öffentlichen Hochbau sind im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Mit 78 Prozent positiven Rückmeldungen wird das Arbeitsgebiet Sanierung/Modernisierung mit deutlichem Abstand am besten bewertet, was die konjunkturelle Lage angeht.

Die Betriebe des Schreinerhandwerks bewerten ihre Lage im Wohnungsbau, im Möbelbau sowie in der vorgefertigten Montage besser als im Vorjahr. Wenig verändert hat sich die Situation im öffentlichen Hochbau. Etwas rückläufig ist hingegen die Entwicklung im Wirtschaftsbau sowie im Bereich Modernisierung und Sanierung. Nach wie vor nimmt die Sparte Modernisierung/Sanierung den Spitzenplatz bei den Bewertungen der Unternehmen ein: Hier sind 87 Prozent der Firmen mit Ihrer Auftragslage zufrieden. Es folgen die vorgefertigten Montage sowie der Möbelbau, die von 84 Prozent bzw. 75 Prozent der Unternehmen positiv beurteilt werden.

Günstige Perspektiven eröffnen sich den Unternehmen des Zimmerer-, Stuckateur- und Schreinerhandwerks weiterhin im Marktsegment des Bauens im Bestand. Vor allem die energetische Sanierung und Modernisierung von Gebäuden gewinnt aufgrund der zunehmenden Rohstoffverknappung und des Klimawandels immer mehr an Bedeutung. Zu einer verstärkten Nachfrage führen auch die verschärften gesetzlichen Vorgaben, zuletzt in Form der Energieeinsparverordnung 2009. Auch im Wohnungsneubau gibt es aufgrund der extrem niedrigen Baufertigstellungszahlen der letzten Jahre einen aufgestauten Nachholbedarf.

Angesichts eines nach wie vor hohen Baubedarfs sind qualifizierte Fachkräfte im badischen Bau- und Ausbaugewerbe sehr gefragt: 32 Prozent der Schreinerbetriebe, 23 Prozent der Zimmereien und 20 Prozent der Stuckateurbetriebe klagen über einen Arbeitskräftemangel bei Facharbeitern. Gleichzeitig sind die Lehrlingszahlen in der südbadischen Bauwirtschaft von 1639 im Lehrjahr 2009/2010 auf 1533 im laufenden Ausbildungsjahr zurückgegangen. Diese Entwicklung belegt die Notwendigkeit einer intensiven Nachwuchswerbung. Das Berufsförderungswerk der Südbadischen Bauwirtschaft setzt seit einigen Jahren ein umfangreiches Projekt des Nachwuchsmarketings mit vielfältigen Aktivitäten um.

Zu kämpfen haben die Unternehmen des Bauhandwerks nach wie vor mit der schlechten Zahlungsmoral der Auftraggeber.

Um die Wachstumskräfte in der Bau- und Ausbauwirtschaft zu stärken, fordern Holzbau Baden, der Fachverband Ausbau und Fassade Baden sowie Schreiner Baden die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen sowie eine bedarfsgerechte Aufstockung der öffentlichen Bauinvestitionen. Geboten ist eine Umkehr in der Wohnungsbaupolitik. Um eine ausreichende Wohnraumversorgung in der Zukunft sicher zu stellen, bedarf es vor allem einer raschen Wiedereinführung der degressiven Abschreibung für Mietwohngebäude. Zusätzlich muss die Wohnbauförderung auf mindestens 100 Millionen Euro erhöht werden. Überfällig ist des Weiteren eine Ausweitung der Mittel für den Städtebau.

Angesichts der von der Bundesregierung beabsichtigten beschleunigten Energiewende in Deutschland fordern die Verbände außerdem eine deutlich verstärkte Förderung für energieeffiziente Gebäudesanierungen. Notwendig ist zum einen eine deutliche Aufstockung der Mittel für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm auf mindestens 2 Milliarden Euro jährlich. Momentan sind im Entwurf für den Bundeshaushalt 2012 noch keinerlei Fördermittel eingestellt. Dabei ist bekannt, dass die öffentlichen Fördergelder eine enorme Hebelwirkung entfalten und das Achtfache an privaten Investitionen auslösen. Zum anderen sind steuerliche Anreize zur energetischen Gebäudesanierung in Form von Abschreibungsmöglichkeiten unverzichtbar.

Im Bereich der Sozialpolitik müssen die Maßnahmen des zweiten Arbeitsmarktes drastisch zurückgeführt werden. Denn sie verursachen einen ungleichen Wettbewerb zwischen regulären Unternehmen, die Steuern und Sozialabgaben zahlen, und gemeinnützigen Betrieben, die ihre Leistungen erheblich billiger anbieten können. Die Verbände fordern daher die komplette Abschaffung der Ein-Euro-Jobs. Stattdessen sollte sich die Arbeitsagentur auf die Vermittlung der Arbeitskräfte in den ersten Arbeitsmarkt konzentrieren.

Die geforderten Maßnahmen sind wichtige Voraussetzungen zur Stabilisierung des Aufwärtstrends in der Bau- und Ausbauwirtschaft und müssen daher zügig umgesetzt werden.