26. Mai 2011

Jede zehnte Rechnung am Bau wird nicht bezahlt

Obwohl die Bauindustrie im europäischen Branchenvergleich mit 47 Tagen bereits das längste Zahlungsziel für ihre inländischen Kunden gesetzt hat, werden die Forderungen im Inland erst nach 52 Tagen und damit im Durchschnitt fünf Tage zu spät beglichen. Jede zehnte Bauleistung bleibt sogar unbezahlt. Das zeigt das aktuelle Atradius Zahlungsmoralbarometers.


Europaweit werden ein Drittel der Forderungen erst nach dem Fälligkeitstermin beglichen. Jede zehnte Forderung gegenüber Auslandskunden kann in der Baubranche nur noch als Verlust abgeschrieben werden. Im Inland bleiben europaweit fast acht Prozent der Rechnungen offen.


»Die Unternehmen sollten hier frühzeitig aktiv werden, denn mit jedem Tag Zahlungsverzögerung sinkt die Chance, Rechnungen erfolgreich einzuziehen. Damit steigt auch die Gefahr eines Totalausfalls«, erklärt Dr. Thomas Langen, Deutschlandchef des Kreditversicherers Atradius in Köln. »Wir raten den Unternehmen daher, sich vor Vertragsabschluss von der Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden zu überzeugen. Mit diesem Wissen kann ein längeres Zahlungsziel dann auch ein Vorteil gegenüber den Mitbewerbern bei Ausschreibungen sein.«


Zahlungsziele als Kundenbindung
62 Prozent der befragten Bauunternehmen aus Europa gewähren ihren Kunden Zahlungen auf Ziel. Ausländischen Kunden begegnen die Bauunternehmer mit etwas mehr Zurückhaltung: Hier ist mit 51 Prozent noch jedes zweite Unternehmen bereit, Zahlungsziele zu gewähren. Als Begründung für die Einräumung von Zahlungszielen geben die befragten Unternehmen aus der Branche Kundenbindung (42 Prozent) als vorrangiges Ziel an – sowohl gegenüber inländischen als auch ausländischen Kunden. Die befragten Unternehmen aus Deutschland legen branchenweit im Vergleich zu den übrigen Studienteilnehmern den größten Wert auf Kundenbindung.



Über die Studie

Das »Atradius Zahlungsmoralbarometer« wird zweimal pro Jahr von Atradius veröffentlicht. Für die aktuelle Studie wurden branchenweit 1.758 Unternehmen aus neun europäischen Ländern befragt. Dazu gehören neben Deutschland: Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Spanien und Schweden.

 

Der Lieferantenkredit ist für deutsche Unternehmen eine der wichtigsten Kreditformen überhaupt: Hierzulande leihen Lieferanten ihren Kunden auf diese Weise rund 300 Milliarden Euro. Das ist mehr Geld als deutsche Banken in Form von kurzfristigen Krediten bereitstellen. Gerade in der Baubranche spielt der Lieferantenkredit eine wichtige Rolle, da die meisten Rechnungen erst nach Abnahme der Leistungen gezahlt werden. Die neue EU-Richtlinie gegen Zahlungsverzug, die bis Frühjahr 2013 von den EU-Verbundstaaten in nationales Recht umgesetzt werden muss, kann diesen Trend in Zukunft noch verstärken.


Oft werden Rechnungen ohne Grund gekürzt
Ebenso wichtig wie die pünktliche Zahlung ist der Erhalt der vollen Rechnungssumme aus der erbrachten Leistung. Im Baugewerbe tritt häufig der Fall ein, dass Rechnungen ohne Grund gekürzt werden. »Viele Bauunternehmen gehen in solchen Situationen faule Kompromisse ein, weil sie den Gang zum Anwalt und die damit verbundenen Prozesskosten scheuen«, weiß Langen aus Erfahrung. »Auch davor sollten Unternehmer gewappnet sein, bevor Aufträge angenommen werden.«


Atradius bietet gemeinsam mit Creditreform mit der »Crefo WKVBAU« eine Warenkreditversicherung (WKV) speziell für kleine und mittelständische Unternehmen aus der Baubranche an, die auch bestrittene Forderungen abdeckt. Versicherungsnehmer bekommen damit bereits bei Zahlungsverzug oder ungerechtfertigter Rechnungskürzung ihrer Geschäfts- oder Privatkunden 90 Prozent der offenen Forderungen erstattet.


Die gesamte Studie steht hier kostenlos zum Download bereit.

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