14. Juni 2011

Ausbildungsverträge im Handwerk werden frühzeitig abgeschlossen

Von einem erfreulich hohen Zuwachs an neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen berichtete der baden-württembergische Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle: „Die Handwerksbetriebe schließen vor dem Hintergrund der immer größer werdenden Bewerberlücke diesmal ihre Ausbildungsverträge offenbar sehr frühzeitig ab.“

Bis zum 31. Mai diesen Jahres gab es landesweit fast 15 Prozent mehr neu abgeschlossene Ausbildungsverträge als im Jahr zuvor. Das hohe Plus zu diesem Zeitpunkt lasse aber keine Rückschlüsse auf das Ergebnis zu Beginn des Ausbildungsjahres 2011 zu, sagte Möhrle. Denn immer mehr Handwerkskammern meldeten, dass sich der Bewerbermangel deutlich verstärkt. Das Handwerk stehe zu seinen Zusagen im Ausbildungsbündnis, sehe sich jedoch immer stärker mit der Problematik konfrontiert, dass viele Betriebe mangels qualifizierter Bewerber ihre Lehrstellen nicht mehr besetzen können. Weil das Handwerk aber gerade leistungsstarke und leistungsbereite Jugendliche brauche, verfolge der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) mit Sorge, dass die Landesregierung unter anderem einen Rechtsanspruch auf Zugang zum beruflichen Gymnasium schaffen wolle und anstrebe, dass 50 Prozent eines Altersjahrgangs ein Hochschulstudium abschließen. Möhrle: „Eine duale Ausbildung bietet viele interessante Karriereoptionen in zukunftsorientierten Berufen bis hin zur Selbstständigkeit.“ Der Weg an die Hochschule bleibe ja auch mit der Entscheidung für eine duale Ausbildung offen.

Möhrle appellierte im Zusammenhang mit dem Spitzengespräch am 14. Juli zur Ausbildungssituation in Baden-Württemberg an die Landesregierung, sich gemeinsam dafür einzusetzen, die Attraktivität des dualen Ausbildungssystems weiter zu steigern. Ausdrücklich begrüße das Handwerk die Informationskampagne des Landes zur dualen Ausbildung. Der hohe Stellenwert und die Chancen einer dualen Ausbildung seien zu wenig bekannt. Projekte wie der Ausbildungsbotschafter seien innovativ, könnten aber nur funktionieren, wenn eine verlässliche Finanzierung gewährleistet sei. Die Sommerkollegs zur Verbesserung der Ausbildungsreife von Jugendlichen, die in diesem Jahr starten, seien ein wichtiger Beitrag, um auch leistungsschwächeren, aber leistungsbereiten Jugendlichen den Weg in eine handwerkliche Ausbildung zu ebnen. „Hierfür brauchen die Betriebe Unterstützung, denn sie allein können nicht die Versäumnisse aus der Schulzeit ausgleichen.“ Das Handwerk jedenfalls setze alle Hebel in Bewegung, um allen ausbildungsfähigen jungen Menschen ein Angebot zu unterbreiten.