11. Juli 2011

Geschäftsklima bleibt stabil

Laut dem KfW-ifo-Mittelstandsbarometer behauptet sich das mittelständische Geschäftsklima auf hohem Niveau, der konjunkturelle Hochpunkt sei dennoch bereits überschritten. Auf drei Monate mit moderaten Rückgängen des mittelständischen Geschäftsklimas folgte im Juni eine leichte Verbesserung. Ursächlich dafür waren kräftig steigende, ein neues Allzeithoch erreichende Lageurteile. Die Geschäftserwartungen sanken hingegen, ebenso die Beschäftigungs- und die Absatzpreiserwartungen der Mittelständler.

Das Geschäftsklima im Mittelstand, der zentrale Indikator des KfW-ifo-Mittelstandsbarometers, verbesserte sich im Juni geringfügig und stieg auf 27,0 Saldenpunkte. Ursächlich für den Zuwachs von 0,4 Zählern war ein kräftiger Anstieg der Lageurteile im Mittelstand (+2,7 Zähler), der den Vormonatsrückgang mehr als ausglich und die Lageeinschätzungen mit 40,1 Saldenpunkten auf ein neues Allzeithoch hievte. Trotz dieses erfreulichen Wertes ist weiter mit einer konjunkturellen Normalisierung zu rechnen. Hierfür spricht insbesondere der Rückgang der Geschäftserwartungen im Mittelstand (-1,8 Zähler auf 13,9 Saldenpunkte), die ihren Höhepunkt bereits im Februar diesen Jahres erreichten und seither kontinuierlich zurückgehen. Ein weiteres Indiz für ein moderates Nachlassen der konjunkturellen Dynamik sind die Rückgänge bei den Beschäftigungs- und Absatzpreiserwartungen der mittelständischen Unternehmen (-0,7 Zähler respektive -1,8 Zähler), die sich im Juni ebenfalls fortsetzten.

Bei den Großunternehmen herrscht ein vergleichbares Bild vor. Auch hier stiegen die Lageurteile auf einen neuen Rekordwert (+2,2 Zähler auf 48,1 Saldenpunkte). Da die Eintrübung der Erwartungen mit 3,2 Zählern etwas stärker ausfiel als im Mittelstand, wurde beim Geschäftsklima der Großunternehmen allerdings ein Rückgang um 0,6 Zähler (auf 30,3 Saldenpunkte) verzeichnet. Mit einer Veränderung von -2,5 bzw. -4,3 Zählern sanken bei den Großunternehmen auch die Beschäftigungs- und Absatzpreiserwartungen stärker als im Mittelstand.

In den vier Hauptwirtschaftsbereichen setzte sich die heterogene Entwicklung des Vormonats fort. Ein besonders starker Anstieg des Geschäftsklimas fand bei den Großunternehmen des Bauhauptgewerbes statt (+9,4 Zähler), wohingegen die mittelständische Bauwirtschaft mit einem marginalen Zuwachs von 0,7 Zählern gegenüber dem Vormonat de facto stagnierte. Der stärkste Rückgang im Juni entfiel auf die großen Einzelhändler, bei denen das Geschäftsklima um 8,2 Zähler sank. Die Unternehmen des Großhandels, die im Niveau des Geschäftsklimas alle anderen Bereiche übertreffen, konnten sich unabhängig von der Unternehmensgrößenklasse nochmals verbessern (Mittelstand: +2,3 Zähler, Großunternehmen: +5,4 Zähler). Dagegen trübte sich das Geschäftsklima bei den Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes im vergangenen Monat leicht ein (Mittelstand: -0,4 Zähler, Großunternehmen: -1,1 Zähler).

Trotz der erfreulichen Rekordwerte bei den Lageurteilen von Mittelständlern und Großunternehmen dürfte der Hochpunkt der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland bereits überschritten sein. Hierauf deuten insbesondere die anhaltenden Rückgänge bei den Geschäftserwartungen hin, die von rückläufigen Beschäftigungs- und Absatzpreiserwartungen begleitet werden. Allerdings ist mit einem sanften Abflachen der konjunkturellen Dynamik in Richtung der Potenzialwachstumsrate zu rechnen und nicht mit einer scharfen Korrektur. Auf das Gesamtjahr gesehen rechnet die KfW Bankengruppe mit einer für deutsche Verhältnisse weit überdurchschnittlichen Wachstumsrate von 3,5 Prozent. Das Hauptrisiko dieser Prognose liegt in einer Ausweitung der Eurokrise über den Kreis der aktuell betroffenen EWU-Mitgliedsstaaten hinaus. Allerdings lassen sich auch positive Überraschungen nicht ausschließen. Insbesondere von der Binnenwirtschaft und hier vom Konsum könnte ein unerwartet kräftiger Impuls ausgehen, der das Wachstum in Deutschland stärker in Richtung vier Prozent verschiebt.