26. Juli 2011

Bauwirtschaft: Die Geschäftslage ist ausgezeichnet

Die am ifo Konjunkturtest teilnehmenden Unternehmen des Bauhauptgewerbes waren mit ihrer aktuellen Geschäftslage erneut zufriedener als im Vormonat. Ein besserer Lagewert wurde zuletzt im Oktober 1991 verzeichnet.

Ihre Geschäftsperspektiven für die nächsten sechs Monate schätzten die befragten Firmen unwesentlich weniger zuversichtlich ein als im Juni. 23% der Testteilnehmer (Juli 2010: 27%) meldeten Behinderungen der Bautätigkeit, überwiegend wegen Auftragsmangel. Mit einem Anteil von 7% wurde Arbeitskräftemangel am zweithäufigsten als Behinderungsgrund genannt (Juli 2010: 2%). Die Geräteauslastung stieg um 2 Prozentpunkte auf 74% (saison- und witterungsbereinigt) – der Vorjahreswert wurde damit um 5 Prozentpunkte übertroffen. Die Reichweite der Auftragsbestände stagnierte im Durchschnitt der Bausparten bei 2,8 Monaten (saison- und witterungsbereinigt); vor einem Jahr waren die Auftragspolster um fast einen halben Monat kleiner. Die Firmenmeldungen lassen erkennen, dass die Preise häufiger angehoben werden konnten. Nach Meinung der Testteilnehmer werden sie auch in den nächsten Monaten die Preise erhöhen können. Die Unternehmen beabsichtigen weiterhin, in der nächsten Zeit ihren Personalbestand aufzustocken.

Im Hochbau verschlechterte sich das Geschäftsklima geringfügig. Die Urteile zur aktuellen Geschäftssituation fielen günstiger aus als im Vormonat. Seit Juni befindet sich der Umfragewert zur Geschäftslage im Hochbau auf einem Rekordniveau seit der Wiedervereinigung. Hinsichtlich der Geschäftsaussichten für die nächsten sechs Monate ließ die Zuversicht dagegen nach. Der Ausnutzungsgrad der Gerätekapazitäten kletterte auf 74% – vor einem Jahr wurden lediglich 71% erreicht. 22% der befragten Firmen klagten über Behinderungen der Bautätigkeit, zumeist über Auftragsmangel (12 nach 22% im Vorjahresmonat). Im Wohnungsbau stagnierten die Auftragsbestände bei 2,6 Monaten, im öffentlichen Hochbau bei 2,3 Monaten und im gewerblichen Hochbau bei 3,3 Monaten. Im Durchschnitt der Hochbausparten reichten die Auftragspolster der Unternehmen für 2,8 Monate (Juli 2010: 2,3 Monate). Nach den Firmenmeldungen zu schließen, konnten die Befragungsteilnehmer deutlich häufiger die Preise anheben; insbesondere im gewerblichen Hochbau und im Wohnungsbau war dies der Fall. In den nächsten Monaten dürften sich die Preiserhöhungsspielräume nur unwesentlich verkleinern.

Im Tiefbau hellte sich das Geschäftsklima weiter auf. Die befragten Firmen beurteilten ihre aktuelle Lage günstiger als im Vormonat. Darüber hinaus wurde die zukünftige Geschäftsentwicklung zuversichtlicher eingeschätzt als im Juni. Ein Viertel der Testteilnehmer meldete Beeinträchtigungen der Bautätigkeit, wobei 13% der Firmen über Auftragsmangel (Juli 2010: 24%) und 8% über Arbeitskräftemangel (Juli 2010: 3%) klagten. Die Geräteauslastung konnte um 2 Prozentpunkte auf 73% ausgeweitet werden. Vor einem Jahr lag die Inanspruchnahme des Maschinenparks bei lediglich 68%. Die Reichweite der Auftragsbestände verlängerte sich im Straßenbau um 0,1 auf 2,7 Monate und verharrte im sonstigen Tiefbau bei 2,9 Monaten. Im Durchschnitt der Tiefbausparten betrug die Reichweite 2,8 Monate. Damit war sie um 0,3 Monate größer als vor Jahresfrist. Nach den Testergebnissen zogen die Preise für Tiefbauleistungen erneut an. Für die nächsten Monate planten die Unternehmen ebenfalls Preiserhöhungen, allerdings weniger häufig als bisher.

Bauwirtschaft (Ost): In den neuen Bundesländern blieb das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe nahezu unverändert. Im Hochbau verbesserten sich sowohl die aktuelle Lage als auch die Aussichten für das nächste halbe Jahr. Im Tiefbau fielen die Lageurteile ungünstiger aus als im Vormonat; bezüglich der Geschäftsperspektiven nahmen die skeptischen Stimmen geringfügig zu. Die Kapazitätsauslastung erreichte im ostdeutschen Bauhauptgewerbe 78% – vor Jahresfrist betrug der Ausnutzungsgrad lediglich 72%. Bei jedem vierten Testteilnehmer kam es zu Behinderungen der Bautätigkeit, schwerpunktmäßig wegen Auftragsmangel. Die Reichweite der Auftragsbestände verkürzte sich im Hochbau von 2,2 auf 2,1 Monate und im Tiefbau von 3,1 auf 3,0 Monate. Am stärksten schrumpften die Auftragsreserven dabei im öffentlichen Hochbau (von 2,4 auf 2,1 Monate). Die Unternehmen konnten höhere Preise durchsetzen; für die nächsten Monate gingen sie von weiteren Preisanhebungen aus.