11. August 2011

Bauinnung Nürnberg: Nachwuchswerbung mit Schülerprojekt

11-08-11nuernberg Ausbau und Fassade - Bauinnung Nürnberg: Nachwuchswerbung mit SchülerprojektDie Bauinnung Nürnberg hat ein Projekt unterstützt, das Schülern die Baubranche näher bringt: 18 Hauptschüler aus Stadt und Landkreis Nürnberg arbeiteten fünf Tage lang unter Anleitung an einem realen Bauprojekt mit.

Qualifizierten Nachwuchs zu bekommen, ist für viele Unternehmen der Baubranche ein Problem. „Das Anforderungsprofil im Baugewerbe ist deutlich gestiegen, selbständiges Arbeiten und Eigenverantwortung werden immer wichtiger“, sagt Norbert Zeilinger, Berufsbildungsreferent der Bauinnung Nürnberg.

„Die Erfahrungen sind sehr positiv“, zieht Zeilinger Bilanz, „wir würden das jederzeit wiederholen.“ Rund die Hälfte der Schüler konnte sich nach Abschluss der Arbeiten vorstellen, später einmal in der Baubranche zu arbeiten. „Wenn sich ein junger Mensch für den Bauberuf entscheidet, weiß er, dass er durch seine Arbeit etwas schafft, was bleibt“, betont Zeilinger. Projektort war die Harnbacher Mühle in der Hersbrucker Schweiz. Das Anwesen gehört dem gemeinnützigen Verein „Mühlenkraft e.V." (www.muehlenkraft.de), der es 2009 gekauft hat, um daraus einen Ort integrativer Bildung, Arbeit und Entwicklung für Menschen mit und ohne Behinderung zu schaffen. Die alten Gebäude der Mühle sind marode, derzeit wird ein Nutzungskonzept erstellt.

Schüler mauern Fachwerk aus
Die Schüler hatten die Aufgabe, das Fachwerk der neu erbauten Scheune auszumauern. Organisiert wurde das Projekt durch die traditionsreiche Nürnberger Baufirma Andreas Wittmann Bauunternehmung GmbH & Co. KG. Sie stellte Werkzeuge, einen Teil der Schutzausrüstung und zwei Betreuer für die Schüler. Zwei Partner der Firma, die Einkaufsgenossenschaft Stukk-ABE und der Steinhersteller Ytong, hatten kostengünstig Baumaterial zur Verfügung gestellt. Die Firma Würth stellte einen Teil der Sicherheitsschuhe sowie das technische Einbaumaterial.

„Die Idee des Schülerprojekts hatte uns sehr gut gefallen“, sagt Hans-Jörg Stöcker, Geschäftsführer der Andreas Wittmann Bauunternehmung. Bei den Schülern hat er eine besondere Motivation festgestellt: „Sie konnten direkt sehen, was sie erarbeitet hatten.“ Angeleitet wurden sie von Manfred Lindörfer. Der 69-Jährige hat 40 Jahre bei Wittmann gearbeitet und genießt seit vier Jahren seinen Ruhestand. Als er im Baugewerbe anfing, war er 14 Jahre alt – so alt, wie die Schüler, die er fünf Tage lang betreute. Unterstützt wurde Lindörfer durch Florian Volk, Auszubildender bei Wittmann im zweiten Lehrjahr. Beide stellen fest, dass die Schüler die Chance genutzt hatten, sich zu erproben.

Die Idee zu dem Schülerprojekt stammt von Dr. Reinhard Bauer, Inhaber des Fürther Instituts Dr. Bauer, das sich auf Berufsorientierung spezialisiert hat. „Mir war aufgefallen, dass es manchen Unternehmen der Baubranche schwer fällt, Nachwuchs zu gewinnen. Andererseits ist es für viele Hauptschüler schwer, einen Ausbildungsplatz zu bekommen“, sagt Bauer. Das Schülerprojekt, so Bauer, solle beide Probleme lösen, indem es Schüler und Unternehmen zusammen bringt. Die Bauinnung werde geeignete Schüler an ihre Mitgliedsunternehmen empfehlen.

Wertvolle Schülererfahrungen
„Das Schülerprojekt ermöglicht den Teilnehmern eine fundierte Berufsorientierung“, sagt Dr. Gerald Klenk, Schulrat am Schulamt Nürnberger Land. Die Jugendlichen hätten sich sehr engagiert. „Sie mussten mit Gleichaltrigen zusammenarbeiten, die sie vorher nicht kannten, und in einem Umfeld arbeiten, das ihnen neu war. Beides waren für die Jugendlichen sehr wertvolle Erfahrungen“, betont Klenk. Über bayerische Haushaltsmittel hat das Schulamt das Projekt zur Hälfte finanziert, die andere Hälfte stammt von der Nürnberger Agentur für Arbeit.

Erfreut über die Projektergebnisse zeigte sich auch Jochen Riehl, erster Vorsitzender des Vereins Mühlenkraft e.V. Die Schüler hatten rund ein Fünftel der nötigen Maurerarbeiten an der Scheune erledigt. Demnächst soll das Gebäude neue Fenster erhalten. „Das Projekt Harnbacher Mühle können wir nur mit Sponsoren fertig stellen“, sagt Riehl. Firmen, die den Verein unterstützen wollen, seien daher auch künftig willkommen. Vielleicht, so Riehl, findet demnächst ein weiteres Schülerprojekt in der Mühle statt.