05. September 2011

Bauwirtschaft: Eintrübung in allen Sparten

Nach den Ergebnissen des ifo Konjunkturtests hat sich das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe sichtlich eingetrübt. Die Unternehmen waren mit ihrer Geschäftslage nicht mehr ganz so zufrieden wie im Juli. Der Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten sahen sie zudem merklich weniger zuversichtlich entgegen.

Bei rückläufiger Bautätigkeit sank der Ausnutzungsgrad der Geräte leicht auf 73% (saison- und witterungsbereinigt); vor Jahresfrist waren die Kapazitäten um 4 Prozentpunkte geringer ausgelastet. Im Durchschnitt der Bausparten lagen die Auftragsreserven mit 2,8 Monaten (saison- und witterungsbereinigt) auf dem Niveau vom Juli. Vor Jahresfrist betrug dieser Wert 2,4 Monate. Ein Viertel der Testteilnehmer meldete Behinderungen der Bautätigkeit. 12% der Firmen klagten über Auftragsmangel (August 2010: 20%), 7% gaben Arbeitskräftemangel als Behinderungsgrund an (August 2010: 3%). Die Firmenmeldungen deuten darauf hin, dass die Preise weniger häufig angehoben werden konnten als in den Vormonaten. Für die nahe Zukunft rechneten die Befragungsteilnehmer nicht mehr so zahlreich mit steigenden Preisen. Die Unternehmen beabsichtigen weiterhin, ihren Personalbestand in den nächsten Monaten aufzustocken.

Im Hochbau hat sich das Geschäftsklima spürbar abgekühlt. Die Lageurteile fielen in allen drei Hochbausparten ungünstiger aus als im Juli. Zurückhaltender äußerten sich vor allem die Firmen, die im Nichtwohnhochbau tätig sind. Bezüglich der Geschäftsperspektiven gewannen die skeptischen Stimmen die Oberhand. Im gewerblichen Hochbau haben sich die Erwartungen für die nächsten Monate sogar erheblich verschlechtert. Der Auslastungsgrad der Gerätekapazitäten verharrte bei 74% – vor einem Jahr waren es lediglich 71%. Die Reichweite der Auftragsbestände stagnierte im öffentlichen Hochbau bei 2,3 Monaten. Im Wohnungsbau sowie im gewerblichen Hochbau verringerten sich die Auftragspolster um 0,1 auf 2,5 Monate bzw. um 0,2 auf 3,1 Monate. Im Durchschnitt der Hochbausparten wiesen die Unternehmen Auftragsreserven in Höhe von 2,8 Monaten auf (August 2010: 2,4 Monate). Knapp ein Viertel der befragten Firmen berichtete von Baubehinderungen. Mehr als die Hälfte davon führte eine unbefriedigende Auftragslage als Ursache an. Am zweithäufigsten wurde Arbeitskräftemangel genannt. Die Testergebnisse lassen erkennen, dass die Preise seltener heraufgesetzt werden konnten. Die Unternehmen gingen jedoch davon aus, dass sich auch in den nächsten Monaten Möglichkeiten für Preiserhöhungen ergeben werden.

Auch im Tiefbau hat sich das Geschäftsklima eingetrübt. Wie im Hochbau wurden sowohl die Geschäftslage als auch die Geschäftsaussichten von den Umfrageteilnehmern als nicht mehr so günstig eingeschätzt wie im Juli. Der Auslastungsgrad des Maschinenparks war mit 72% geringfügig niedriger als im Vormonat, vor Jahresfrist waren die Geräte zu 67% im Einsatz. Im Straßenbau verharrte die Reichweite der Auftragsbestände bei 2,7 Monaten und im sonstigen Tiefbau bei 2,9 Monaten. Im Durchschnitt der Tiefbausparten reichten die Auftragsreserven für 2,8 Produktionsmonate – 0,4 Monate mehr als vor einem Jahr. 12% der befragten Baubetriebe wurden durch Auftragsmangel, 10% durch Witterungseinflüsse und 7% durch Arbeitskräftemangel in der Ausführung ihrer Geschäftstätigkeit beeinträchtigt. Den Firmenangaben zufolge haben sich die Preiserhöhungsspielräume verringert. Die Befragungsteilnehmer gingen davon aus, dass es in den nächsten Monaten nur noch vereinzelt zu Preisanhebungen kommen wird.

Bauwirtschaft (Ost): In den neuen Bundesländern trübte sich das Geschäftsklima ebenfalls merklich ein. Die befragten Unternehmen bewerteten ihre Geschäftslage deutlich ungünstiger als im Vormonat. Auch ihre Erwartungen für das nächste halbe Jahr fielen sichtlich zurückhaltender aus. Die Auslastung der Maschinen und Geräte sank auf 76% (August 2010: 72%). Die Auftragsreserven kletterten im Durchschnitt der Bausparten von 2,6 auf 2,7 Monate (saison- und witterungsbereinigt); zur gleichen Zeit des Vorjahres waren die Auftragsbestände um 0,7 Monate kleiner. 30% der Unternehmen klagten über Behinderungen. Auffallend ist die häufige Nennung von negativen Witterungseinflüssen. 17% der Tiefbaufirmen berichteten von entsprechenden Beeinträchtigungen. Den Firmenmeldungen zufolge konnten seltener Preiserhöhungen durchgesetzt werden. Auch für die kommenden Monate sahen die Testeilnehmer geringere Spielräume für Preisanhebungen. Die Unternehmen dürften ihren Personalbestand in der nahen Zukunft vereinzelt erhöhen.