23. September 2011

Gründerstimmung in NRW weiter auf Rekordniveau

Zeiten mit guter Konjunktur und hoher Nachfrage nach Arbeitskräften verringern erfahrungsgemäß den Wunsch, sich selbstständig zu machen. Nicht so im nordrhein-westfälischen Handwerk: Anfang September hatte die Landes-Gewerbeförderungsstelle des nordrhein-westfälischen Handwerks (LGH) bereits über 460 Anträge auf die Meistergründungsprämie, die aus Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union finanziert wird, bewilligt.

Dies deutet darauf hin, dass auch in diesem Jahr wieder gut 700 Meisterinnen und Meister die Starthilfe bei der Gründung oder Übernahme eines Betriebes nutzen werden. Die Handwerker, die diesen Schritt bereits absolviert haben, bewerten ihre Geschäftslage darüber hinaus weiterhin überaus positiv.

Diese Einschätzung geht auf erste „Hochrechnungen“ zurück, die die LGH und ihr wissenschaftlicher Partner, die Universität Lüneburg, bei den Rückläufen der erst Ende August abgeschlossenen Gründerbefragung 2011 vorgenommen haben. Der Geschäftsklimaindex (GKI), also die Zusammenfassung der aktuellen Lagebeurteilung und der Zukunftseinschätzung, hat danach einen Wert von deutlich über 94. So hoch hatte er noch nie gelegen in den elf Jahren, die es diese Untersuchungen gibt. Im Vorjahr hatte der Index den (damaligen) Rekordstand von 92,3, im Krisenjahr 2009 betrug er noch knapp 85. Der GKI bei den Gründern rangiert damit immer um einige Prozentpunkte über dem vergleichbaren Index für das Gesamthandwerk in NRW. Dieser lag in diesem Frühjahr bei 88.

Insgesamt waren mehr als 8.000 Empfänger der Meisterprämie befragt worden. Es handelt sich dabei um einen Zuschuss des Landes und der Europäischen Union in Höhe von 7.500 Euro. Die Gründer verpflichten sich im Gegenzug, innerhalb von drei Jahren Mitarbeiter über zusammengerechnet 24 Monate zu beschäftigen beziehungsweise – als Firmenübernehmer – die Zahl der Arbeitsplätze über ein Jahr hinweg zumindest gleich zu halten. Diese Zusagen werden von den Jung-Selbstständigen aber seit vielen Jahren deutlich übertroffen.

Reiner Nolten, Geschäftsführer der LGH führte dazu aus: „Aufgrund seiner Kontinuität, der anhaltenden hohen Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze, ist die Meistergründungsprämie das erfolgreichste und effektivste Förderprogramm für den Mittelstand in NRW. Dies wurde mir erst kürzlich von Herrn Minister Harry Voigstberger, Minister für Wirtschaft, Energie, Bauen, Wohnen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, ausdrücklich bestätigt.“ Vor diesem Hintergrund wurde die Meistergründungsprämie nun auch zum festen Bestandteil der vom Minister neu gestarteten Handwerksinitiative NRW.

Ein kleiner Nebeneffekt der diesjährigen Umfrage unter den Gründern war, dass mehr als 500 von ihnen die Gelegenheit nutzten, via Fragebogen fachlichen Unterstützungsbedarf für ihr Unternehmen anzumelden. Die Betriebsberater der Handwerkskammern und einiger Fachverbände haben mit einem Großteil dieser Betriebe bereits Kontakt aufgenommen und ihre Hilfe angeboten. Bei den Themenangaben standen betriebswirtschaftliche Fragen, das Marketing und die Zukunftssicherung im Mittelpunkt.   

In den zurückliegenden Jahren hatte sich die Zahl der Meistergründungsprämienempfänger zwischen 700 und knapp 800 eingependelt. Nach dem bisherigen Stand der Antragseingänge bei der LGH wird demnach auch 2011 voraussichtlich auf dieser Linie liegen. Insgesamt haben seit 1995 etwas mehr als 14.000 Meisterinnen und Meister diese Unterstützung erhalten. Neugründungen nehmen einen Anteil von zwei Dritteln ein, etwa 28 Prozent der Anträge betreffen Übernahmen bereits bestehender Betriebe. Knapp 22 Prozent der Geförderten sind Frauen. Die Metall- und Elektrogewerbe, die Gruppe der Gesundheits-, Körperpflege-, chemischen und Reinigungsgewerbe sowie die Bau- und Ausbauberufe liegen mit großem Abstand vorne und machen fast 90 Prozent aller Anträge aus.