29. September 2011

Bauwirtschaft: günstige Geschäftslage, gedämpfte Erwartungen

Nach den Ergebnissen des ifo Konjunkturtests hat sich im September das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe weiter abgekühlt. Die Befragungsteilnehmer bewerteten ihre derzeitige Geschäftslage zwar etwas günstiger als im vorangegangenen Monat. Die weitere Geschäftsentwicklung schätzten die Unternehmen dagegen merklich zurückhaltender ein.

Die Gerätekapazitäten waren ähnlich gut ausgelastet wie im Vormonat; mit 73% (saison- und witterungsbereinigt) lag der Auslastungsgrad 3 Prozentpunkte über dem Wert des Vorjahres. Die Reichweite der Auftragsbestände verkürzte sich im Durchschnitt der Bausparten; mit 2,6 Monaten (saison- und witterungsbereinigt) übertraf sie allerdings den vergleichbaren Vorjahreswert um 0,1 Monate. Rund ein Viertel der Testteilnehmer klagte über Behinderungen bei der Bautätigkeit. Die Hälfte der beeinträchtigten Firmen hatte mit Auftragsmangel zu kämpfen; erneut berichteten 7% über Arbeitskräftemangel. Nach den Angaben der Firmen zu schließen, konnten sie die Preise anheben; für die nächsten Monate rechneten sie jedoch mit verringerten Preiserhöhungsspielräumen. Die Unternehmen planten, ihren Personalbestand aufzustocken.

Im Hochbau hat sich das Geschäftsklima erneut eingetrübt. In allen drei Teilsparten fielen die Urteile zur aktuellen Geschäftssituation zwar günstiger aus – am stärksten im Wohnungsbau. Die Aussichten für die nächsten sechs Monate schätzten die Befragungsteilnehmer hingegen spartenübergreifend nicht mehr so gut ein wie im August. Die Zuversicht nahm dabei im öffentlichen Hochbau sowie im Wohnungsbau sogar spürbar ab. Ein Viertel aller Testteilnehmer aus dem Hochbau klagte über Behinderungen bei der Produktion, überwiegend wegen Auftragsmangel (13%), aber auch wegen fehlender Arbeitskräfte (7%). Der Auslastungsgrad der Gerätekapazitäten stagnierte bei 74%, vor Jahresfrist waren es 72%. Die Reichweite der Auftragsbestände verkürzte sich im öffentlichen Hochbau um 0,3 auf 2,0 Monate, im gewerblichen Hochbau um 0,2 auf 2,9 Monate sowie im Wohnungsbau um 0,1 auf 2,4 Monate. Die Auftragsreserven waren im Durchschnitt der Hochbau - sparten mit 2,5 Monaten genauso groß wie vor einem Jahr. Die Meldungen der Firmen deuten darauf hin, dass sie wieder etwas häufiger höhere Preise durchsetzen konnten. Die Testteilnehmer gingen allerdings seltener davon aus, dass die Preise in den nächsten Monaten steigen werden.

Im Tiefbau hat sich das Geschäftsklima abermals abgekühlt. Die Tiefbaufirmen waren mit ihrer aktuellen Geschäftslage weniger zufrieden als im Vormonat, bezüglich der zukünftigen Geschäftsenwicklung schwächte sich zudem die Zuversicht spürbar ab. 27% der Befragungsteilnehmer berichteten über Behinderungen der Bautätigkeit. 13 Am häufigsten wurde Auftragsmangel (12%) als Grund angeführt, gefolgt von Witterungseinflüssen (8%) und Arbeitskräftemangel (7%). Der Auslastungsgrad des Maschinenparks verharrte bei 72%; der Vorjahreswert wurde somit um 4 Prozentpunkte übertroffen. Die Reichweite der Auftragsbestände ging im sonstigen Tiefbau um 0,2 auf 2,7 Monate zurück, im Straßenbau verringerte sie sich um 0,1 auf 2,6 Monate. Im Durchschnitt der Tiefbausparten reichten die Auftragsreserven für 2,7 Monate (September 2010: 2,5 Produktionsmonate). Die Angaben der Testteilnehmer lassen darauf schließen, dass vereinzelt höhere Preise durchgesetzt werden konnten. In den kommenden Monaten dürften sich Preisanhebungen und -senkungen in etwa die Waage halten.

Bauwirtschaft (Ost): In den neuen Bundesländern trübte sich das Geschäftsklima ebenfalls ein. Während die aktuelle Lage von den Baufirmen günstiger bewertet wurde als im August, verschlechterten sich die Geschäftsaussichten merklich. Im Tiefbau hat der Anteil der skeptischen Stimmen erheblich zugenommen. 29% der befragten Unternehmen berichteten über Behinderungen der Bautätigkeit. Zumeist wurde Auftragsmangel (12%) als Ursache genannt. Mit Beeinträchtigungen durch ungünstige Wetterverhältnisse sowie durch Arbeitskräftemangel hatten jeweils 7% der Firmen zu kämpfen. Die Gerätekapazitäten waren ähnlich hoch ausgelastet wie im Vormonat. Mit 76% (saison- und witterungsbereinigt) wurde der Maschinenpark um 3 Prozentpunkte intensiver genutzt als vor Jahresfrist. Die Reichweite der Auftragsbestände verharrte im Hochbau bei 2,3 Monaten (September 2010: 1,8 Monate). Im Tiefbau verringerten sich die Auftragspolster von 3,0 auf 2,8 Monate (September 2010: 2,4 Monate). Die Firmenmeldungen deuten darauf hin, dass die Preise seltener angehoben werden konnten. In den nächsten Monaten dürften sich die Preiserhöhungsspielräume weiter reduzieren.