09. November 2011

Nachwuchs im Handwerk dringend gesucht

Die Lage in den Betrieben des Handwerks in Baden-Württemberg spitzt sich zu: Waren es vor einem Jahr noch 13,7 Prozent der befragten Betriebe, die vergeblich auf qualifizierte Schulabsolventen warteten, so meldeten im laufenden Jahr 17,5 Prozent noch offene Stellen.

Beim Handwerk für den gewerblichen Bedarf hat sich die Quote sogar von zehn auf 20 Prozent verdoppelt. „Mehr Betriebe bieten mehr Lehrstellen an, aber die Zahl der neu abgeschlossenen Lehrverträge stagniert mit 20.803 Verträgen per Ende Oktober praktisch auf Vorjahresniveau“, stellt Landeshandwerkspräsident Möhrle fest.

Die Schere zwischen Lehrstellenangebot und Lehrstellennachfrage im Handwerk öffnet sich damit weiter. Im Vergleich zum Vorjahresmonat haben sich zum Stand 31. Oktober 1.731 zusätzliche Betriebe entschieden, einen oder gar mehrere Ausbildungsplätze anzubieten. Das sind 47 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt konnten 2.350 Ausbildungsplätze neu eingeworben werden (+ 22 Prozent). Von denjenigen Betrieben, die einen Ausbildungsplatz anboten, konnte aber etwa jeder sechste die Stelle nicht besetzen, so das Ergebnis der jährlichen BWHT-Umfrage zur Ausbildungssituation unter rund 1.200 Betrieben. Offene Lehrstellen gibt es in nahezu allen Handwerkszweigen und vor allem in Kleinbetrieben mit bis zu neun Beschäftigten. Einzige Ausnahme ist das bei männlichen Jugendlichen beliebte Kraftfahrzeuggewerbe: Hier gaben rund 95 Prozent der Betriebe an, alle Stellen besetzt zu haben.

„Die Türen für eine Ausbildung im Handwerk stehen allen Interessenten offen, aber wo sind die Bewerber?“ fragt sich Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle. Die Betriebe reagieren nach Kräften auf diese Situation: Das Handwerk baut dabei nicht nur auf ein verbessertes Ausbildungsmarketing und feilt mit einer bundesweiten Kampagne am eigenen Image, sondern will jeden Jugendlichen bestmöglich fördern. Zum Programm gehören beispielsweise auch Bildungspartnerschaften und Ausbildungsbotschafter. Selbst wenn die 21.000er-Marke bis Jahresende noch erreicht werden kann, bereitet dem Landeshandwerkspräsidenten der Blick in die Zukunft Sorgen: „Wenn den 130.000 Handwerksbetrieben im Land der Nachwuchs ausgeht, dann fehlen bald auch die Nachfolger.“ Der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) schätzt, dass jeder dritte Betriebsinhaber älter als 55 Jahre ist.