09. November 2011

BVS fordert Überprüfung der KfW-Förderprogramme zur Energieeinsparung

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) soll zur jährlichen Senkung und Einsparung von Heizungs- und Warmwasserkosten beitragen. Zur Erreichung von Planzahlen zur Energieeinsparung unterstützt der Gesetzgeber durch Programme der KfW Förderbank insbesondere die Dämmung von Gebäuden mit Wärmedämmstoffen. So vergibt die KfW bei Einhaltung der spezifischen Voraussetzungen zur Kreditvergabe Zuschüsse, wenn 15 Prozent Energie durch Wärmedämmung von Gebäuden eingespart werden. Der Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e.V. (BVS) weist darauf hin, dass diese Förderpraxis einseitig ist und fordert eine differenziertere Förderung von energiesparenden Maßnahmen. Vielfach lässt sich eine Energieeinsparung von 15 Prozent bereits durch sinnvolles Energiemanagement eines Bestandsgebäudes erreichen, ohne zusätzliche Dämmstoffe verbauen zu müssen. Für solche schonenden Maßnahmen wird aber keine KfW Förderung gewährt. Diese bekommt nur, wer 15 Prozent Energie durch Dämmung erreicht. Damit ist es aus Sicht eines Bauherrn wirtschaftlich sinnvoller, ein Gebäude neu zu dämmen, anstatt die bestehende Substanz und Haustechnik intelligenter aufeinander abzustimmen.

„Es ist irrwitzig, dass der Verbau von größtenteils chemischen Dämmstoffen mit staatlichen Mitteln gefördert wird, während schonende Maßnahmen zur Erreichung des Ziels der Energieeinsparung nicht in den Förderprogrammen berücksichtigt werden,“ sagt BVS-Präsident Roland R. Vogel. Der BVS weist darauf hin, dass es weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll ist, ausschließlich den Verbau von Wärmedämmstoffen zu fördern. „Der Gesetzgeber sollte das Ziel der Energieeinsparung fördern, nicht die Mittel zu dessen Erreichen,“ ergänzt Vogel.

Die Wärmedämmung von Gebäuden ist nur bis zu einem gewissen Grad gesund: Die Luftzirkulation in einem Haus wird durch Dämmung systematisch verhindert und das Gebäude dadurch hermetisch abgeriegelt. Die Wärme bleibt zwar im Gebäude, Feuchtigkeit kann hingegen nicht mehr entweichen. Die Folge ist im Extremfall die Entstehung von in den Wänden sitzenden Schimmelpilzen, die von Bronchialasthma bis hin zur Infektionskrankheit Mykose lebensgefährliche Erkrankungen auslösen können.

Helge-Lorenz Ubbelohde, Bundesfachbereichsleiter Bau des BVS, erklärt: „Ein gesunder Mix aus verschiedenen Maßnahmen erreicht den Zweck der Energiesparung in der Regel sehr viel sinnvoller als die einseitige Wärmedämmung. Zu einem Maßnahmenmix gehört das Energiemanagement der vorhandenen Substanz und Technik, die Optimierung der Haustechnik, im Einzelfall auch neue Wärmedämmung. Es kann aber nicht sein, dass Häuser kaputt gedämmt werden oder sogar zu Brutstätten von Keimen und Pilzen werden – und eine verfehlte Förderpraxis des Bundes das sogar unterstützt.“

Durch eine Sanierung oder den Bau laut EnEV entstehen bei der Errichtung eines Gebäudes für den Bauherrn oder den zur Sanierung verpflichteten Eigentümer enorme Kosten. „Die Baukosten können aufgrund der Dämmauflagen explosionsartig je nach Größe und Art des geplanten Hauses um 10.000 bis 20.000 Euro ansteigen“, erklärt Ubbelohde. Nutznießer der aktuellen Situation sind in erster Linie die Hersteller chemischer Dämmmaterialien.