09. November 2011

Deutschland braucht Senioren-Wohnungen

Die Wohnsituation für Senioren wird sich in den kommenden Jahren bundesweit dramatisch verschlechtern. Immer mehr Ältere drohen vom Wohnungsmarkt „abgekoppelt“ zu werden. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Pestel-Instituts in Hannover. Grund seien eine zunehmende Altersarmut sowie ein viel zu geringer Bestand an altersgerechten und bezahlbaren Wohnungen in Deutschland.

„Für einen Großteil der Menschen, die innerhalb der nächsten Jahre in Rente gehen, wird das Wohnen zum Problem. Sie werden sich ihre jetzige Wohnung einfach nicht mehr leisten können“, sagt Matthias Günther, der die Untersuchung beim Pestel-Institut geleitet hat.

So werden im Jahr 2020 mehr als 930.000 Rentner in Deutschland auf die staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen sein. Ihre Zahl würde damit noch in diesem Jahrzehnt dramatisch steigen – um mehr als 125 Prozent. Jeder zwanzigste Rentner müsste dann vom sozialen Netz aufgefangen werden. Tendenz steigend.

Die Altersarmut in Deutschland wachse, weil immer mehr Menschen mit gebrochenen Erwerbsbiografien in Rente gingen, so das Pestel-Institut. Phasen von Arbeitslosigkeit, Niedriglöhne und dauerhaft geringfügige Beschäftigungen seien für sinkende Rentenbezüge verantwortlich. Ebenso eine nur geringe oder keine Altersvorsorge bei vielen Selbstständigen.

„Mini-Renten werden in den kommenden Jahren gravierende Auswirkungen auf die Wohnsituation älterer Menschen haben“, sagt Matthias Günther. Hinzu kämen steigende Mieten und Heizkosten. „Diese Entwicklung macht ein Gegensteuern in der Wohnungsbaupolitik des Bundes und der Länder dringend notwendig. Ansonsten steht Deutschland ein enormer Mangel an bezahlbaren Senioren-Wohnungen ins Haus“, so Günther.

Die Pestel-Untersuchung zum „Wohnen im Alter“ erfolgte im Auftrag der Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“. Darin haben sich die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), der Deutsche Mieterbund (DMB), der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) zusammengeschlossen.

Um Deutschland auf das Senioren-Wohnen vorzubereiten, müsse in den kommenden Jahren in erheblichem Maße neu gebaut und modernisiert werden. Andernfalls drohe eine „graue Wohnungsnot“ – und damit die soziale Ausgrenzung Älterer beim Wohnen. Immerhin werde die Zahl der Rentner in Deutschland bis 2020 um 6,2 Prozent auf dann mehr als 17,8 Millionen steigen.

Der Großteil der Senioren hat, so die Initiative „Impulse für den Wohnungsbau“, ein Interesse daran, möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen zu bleiben. „Es darf in Zukunft nicht so sein, dass ältere Menschen nur allein deshalb ins Pflegeheim gehen müssen, weil eine ambulante Betreuung auf Grund der Ausstattung der eigenen Wohnung nicht mehr möglich ist. Jeder Heimplatz ist auf Dauer um ein Vielfaches teurer als das altersgerechte Sanieren einer Wohnung oder der Neubau einer Senioren-Wohnung“, sagt Dr. Ronald Rast.