02. Januar 2012

Ingenieurverband beklagt schlechte Zahlungsmoral

Nur rund 40 % der Auftraggeber von Planungsleistungen zahlen Rechnungen fristgerecht. Darauf hat der Verband Beratender Ingenieure VBI in Berlin hingewiesen. Nach einer Umfrage des führenden Wirtschafts- und Berufsverbandes unabhängiger Ingenieurunternehmen in Deutschland unter seinen Mitgliedern fallen öffentliche Auftraggeber besonders negativ auf.

Danach lassen 43 % die Rechnungen bis zu drei Monate nach Zahlungsziel liegen, 9 % sogar deutlich darüber hinaus. Bei privaten Schuldnern sieht es nur geringfügig besser aus: Hier benötigen 39 % bis zu drei Monate für eine Überweisung und 5 % zahlen erst nach Monaten.

„Staatsangestellte bekommen jeden Monat pünktlich ihr Geld aufs Konto überwiesen. Beratende Ingenieure müssen oft Monate lang bitten und betteln, bis ihnen berechtigte Honorare aus der Staatskasse beglichen werden. Das empört den Berufsstand besonders. Jedes Auto wird bezahlt, bevor es benutz werden kann. Ingenieure laufen oft noch nach Inbetriebnahme von Gebäuden und Anlagen ihrem Honorar hinterher“, so die kommissarische VBI- Hauptgeschäftsführerin Sabine von Berchem in Berlin.

Auch der Trend ist negativ: 14 % haben bei öffentlichen Auftraggebern eine Verschlechterung der Zahlungsmoral festgestellt. Bei den Privaten sieht es mit 12 % ähnlich trostlos aus. 72 % stellen bei den öffentlichen und 69 % bei den privaten Auftraggebern keine substanzielle Veränderung in der Zahlungsmoral fest.

„Offenbar gibt es für rund 60 % der Auftraggeber immer noch keinen echten Druck, Honorarrechnungen von Planern pünktlich zu bezahlen. Wer aber hervorragende Leistungen erbringt, hat einen Rechtsanspruch auf die sofortige Überweisung seiner Honorare. Zahlungsverzögerungen sind kein Kavaliersdelikt, sondern können die oft mit geringem Eigenkapital ausgestatteten Planungsbüros schnell in den Ruin führen.“

Der VBI appelliert zum Ende des Wirtschaftsjahres 2011 an alle Auftraggeber, noch offene Honorarrechnungen umgehend zu begleichen.