21. Februar 2012

Die Energiewende wird zu zwei Drittel von der Energieeffizienz getragen

Die anhaltend frostigen Temperaturen bescheren den Energieproduzenten derzeit gute Geschäfte, die Verbraucher allerdings dürften sich weniger über die Heizkostenabrechnung freuen. Vor diesem Hintergrund wird die Dringlichkeit von Gebäudesanierungen immanent. Eine Analyse des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik.

Der Vermittlungsausschuss von Bund und Ländern konnte sich Anfang Februar 2012 abermals nicht einigen über die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung. Erschwerend hinzu kommt die Kürzung der KfW-Förderprogramme um insgesamt 600 Millionen Euro. Wie wichtig die energetische Gebäudesanierung allerdings ist, zeigen nicht nur die stetig steigenden Energiekosten, sondern auch ein Blick auf die die hohen CO2-Einsparziele von Bundesregierung und EU bis 2020. »Voraussetzung für die Erreichung dieser Werte ist die effiziente Nutzung von Energie, dazu zählt die Verringerung des Heizwärmebedarfs von bestehenden Wohn- und Bürogebäuden. Erzielen können wir das nur durch ihre Sanierung, zu deren Kernelementen eine wirksame Dämmung gehört«, erklären die beiden Leiter des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP, Prof. Dr. Klaus Sedlbauer und Prof. Dr. Gerd Hauser, einstimmig.

Energie muss effizienter genutzt werden
Um die Energiewende in Deutschland zu erreichen, bedarf es nicht nur alleine des Umstiegs auf regenerative Energien. Vielmehr muss zur Umsetzung der energiepolitischen Ziele der Bundesregierung die erzeugte Energie effizienter genutzt werden. Laut Deutscher Energieagentur (dena) werden rund 83 Prozent des gesamten Energiebedarfs in privaten Haushalten für die Raumerwärmung und Warmwasser benötigt. Dabei liegt das größte Einsparpotenzial im Bestand, da von den rund 18 Millionen Gebäuden in Deutschland gut 13 Millionen vor 1979 und somit vor der ersten Wärmeschutzverordnung gebaut wurden. Bezogen auf den Altbau verbrauchen bestehende Gebäude etwa acht Mal so viel Energie wie Neubauten alleine zur Beheizung. Denn: Gerade Bestandsgebäude älteren Baujahrs weisen Transmissionswärmeverluste durch schlecht dämmende Gebäudehüllen sowie einen großen Energieaustrag durch Undichtigkeiten auf. Beides führt zu einem hohen Heizwärmebedarf. Wie Untersuchungen des Fraunhofer IBP ergeben haben, ließen sich durch fachgerechtes Sanieren sowie durch moderne Gebäudetechnik bis zu 80 Prozent dieses Energiebedarfs einsparen. Zum Beispiel: Rund 35 Liter Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche verbraucht ein energetisch unsaniertes Einfamilienhaus aus den 50er Jahren im Durchschnitt pro Jahr. Bei einer durchschnittlichen Wohnfläche von 120 Quadratmetern entspräche das gut 2.000 Euro im Jahr.

Für die Klimaziele 450.000 Gebäude energetisch modernisieren
Um Gebäude in der Masse energetisch zu ertüchtigen und damit eine messbare Energieeinsparung zu erreichen, sind kostengünstige und einfach zu verarbeitende Lösungen erforderlich. Abdichten der Gebäudehülle und der Einsatz von effektiver Wärmedämmung leisten hier einen bedeutenden Beitrag. Allerdings werden derzeit von den möglichen Energieeinsparpotenzialen bei Gebäuden nur ein Drittel genutzt. Um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen, müssten in Deutschland jährlich etwa 450.000 Gebäude energetisch modernisiert werden. Tatsächlich wird derzeit nur etwa die Hälfte der notwendigen Gebäude modernisiert. »Die Energiewende wird zu einem Drittel von erneuerbaren Energien getragen, aber zu zwei Dritteln von der Energieeffizienz«, betont Prof. Hauser.

KfW-Förderprogramme wirken
Einen positiven Effekt auf die Sanierungsrate sowie auf die gewünschten Energieeinsparungen und die Reduktion der CO2-Emissionen hatten in den vergangenen Jahren die KfW-Förderprogramme. Aus einer Studie des Bremer Energie Instituts für die KfW-Förderbank ergibt sich, dass im Jahr 2010 durch die mit Hilfe der Förderprogramme umgesetzten Maßnahmen eine Endenergieeinsparung von 2,450 GWh pro Jahr realisiert werden konnte – zum Vergleich, das ist der jährliche Stromverbrauch von 1,2 Millionen Deutschen. Vor der Modernisierung betrug der jährliche Energiebedarf der geförderten Gebäude 7,876 GWh pro Jahr und war damit mehr als drei Mal so hoch. Auch bei der CO2-Reduktion konnten durch die KfW-Förderung 2010 erhebliche Einsparungen verbucht werden: Im Rahmen der durch das Programm »Energieeffizient Sanieren« geförderten Modernisierungsvorhaben liegt die Reduktion bei rund 847.000 Tonnen CO2 pro Jahr.

Nachdem aber nun bestätigt wurde, dass 2012 statt der versprochenen 1,5 Milliarden Euro nur noch 600 Millionen für die KfW-Förderprogramme zur Verfügung stehen werden, stellt sich die Frage nach der Entwicklung der angestrebten Energiewende. »Leider ist zudem eine Einigung im Vermittlungsausschuss von Bund und Ländern zur Förderung der energetischen Gebäudesanierung ausgeblieben. Ohne entsprechende Förderimpulse wird eine Umsetzung der energiepolitischen Ziele der Bundesregierung unmöglich«, prognostiziert Prof. Sedlbauer.