05. April 2012

Statt Sanierung auch Abriss und Neubau erwägen

Wer ein altes Haus kauft, um es selbst zu bewohnen, der steht vor der Wahl: Umbau und Sanierung oder lieber gleich Abriss und Neubau. „Viele Menschen scheuen aber vor der zweiten Möglichkeit zurück“, beobachtet Dipl.-Ing. Reimund Stewen, Vorstandsmitglied des Verbands Privater Bauherren (VPB) und Regionalbüroleiter in Köln. „Dabei ist das gerade für die in den 1960er- und 1970er-Jahren gebauten Häuser oft die vernünftigste Lösung.“

Das Thema ist aktuell, denn die Bauten aus den Wirtschaftswunderjahren stehen zum Verkauf. Die Bauherren von einst übersiedeln ins Seniorenwohn-heim oder sterben. Ihre Erben besitzen längst eigene Immobilien und verkaufen die elterlichen Heime. Im Angebot sind große und kleine Bungalows, Ketten- und Atriumhäuser, großzügige Reihenhäuser. Allen gemeinsam ist ihre schlechte Energiebilanz.

Sind die Häuser großzügig geschnitten und genügt das Platzangebot auch heutigen Wohnwünschen, dann lohnt es sich, über die energetische Sanierung nachzudenken und anhand eines Sanierungsgutachtens zu prüfen, ob sich die Erneuerung lohnt. „Meist sind aber die Grundrisse verwinkelt, die Räume klein, die Haustechnik veraltet“, gibt Bausachverständiger Stewen zu bedenken. „Planen deshalb die neuen Eigentümer ohnehin größere Um- und Anbauten, rechnen sich fast immer Abbruch und Neubau.“

Die Altimmobilien haben viele Mängel: Dünne, nur 24 Zentimeter starke Außenwände aus nicht dämmenden Hohlblock- oder Bimssteinen, große einfach verglaste Fensterflächen, Elektrospeicherheizungen, ungedämmte Flachdächer. „Diese Bungalowdächer wurden früher außerdem häufig als Kaltdachkonstruktionen ausgeführt“, erläutert der Experte. „Das heißt, unterhalb der Abdichtung zirkulierte die Luft. Sollen sie heute saniert werden, reicht es nicht, einfach eine Dämmschicht auf die Abdichtung zu legen, sondern der gesamte alte Dachaufbau muss entfernt und mit der Dämmung neu aufgebaut werden. Das wird dann entsprechend teurer.“

„Damals wurde noch ohne Rücksicht auf Energiekosten geplant. Heizöl war billig und bis zur Ölkrise 1973 scheinbar unendlich vorhanden“, erinnert Bausachverständiger Stewen.

Wer also vor der Wahl steht, einen Altbau teuer nachzubessern oder lieber neu zu planen, der schafft sich mit dem Neubau eine bessere Ausgangsposition für die zukünftigen Entwicklungen“, rät der VPB-Experte. Wer neu baut, der kommt in den Genuss zinsgünstiger KfW-Darlehen.