31. Mai 2012

Bauwirtschaft: Zuversicht schwindet weiter

Den Ergebnissen des ifo Konjunkturtests zufolge hat sich das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe im Mai erneut leicht abgekühlt. Die Einschätzung der momentanen Geschäftslage verbesserte sich zwar minimal, bezüglich ihrer Geschäftsperspektiven für die nächsten sechs Monate waren die befragten Bauunternehmen jedoch etwas weniger optimistisch gestimmt als im vorherigen Monat.

Die Bautätigkeit ging saison- und witterungsbereinigt zurück; der Auslastungsgrad der Gerätekapazitäten war mit 72% (saison- und witterungsbereinigt) um knapp einen Prozentpunkt niedriger als im Vormonat sowie vor einem Jahr. Gut ein Viertel (27%) der Testteilnehmer meldeten Produktionsbehinderungen. Dabei klagten 19% der Baufirmen (Vorjahr: 18%) über Auftragsmangel. Schlechtes Wetter, Arbeitskräftemangel, Materialknappheit, Finanzierungsschwierigkeiten und Auftragsstornierungen spielten dagegen – ähnlich wie im Vorjahr – kaum eine Rolle. Im Durchschnitt der Bausparten stieg die Reichweite der Auftragsbestände geringfügig auf 2,8 Produktionsmonate (saison- und witterungsbereinigt) und erreichte damit exakt den Vorjahreswert. Per saldo bezeichnete etwa jeder siebte Testteilnehmer seinen derzeitigen Auftragsbestand als zu klein. Die Firmenmeldungen lassen erkennen, dass die Preise für Bauleistungen wiederholt angehoben werden konnten. Für die kommenden Monate gingen die Unternehmen von weiter steigenden Preisen aus. Während sich in Westdeutschland der Personalbestand erhöhen dürfte, gehen die ostdeutschen Firmen eher von einer Stagnation des Beschäftigtenstands aus.

Nach den Resultaten einer Sonderfrage rechneten per saldo 12% der im Bauhauptgewerbe tätigen Unternehmen damit, dass aufgrund derzeitiger Anfragen, Submissionsergebnisse und Auftragsverhandlungen ihr Auftragsbestand in den nächsten zwei Monaten ansteigen wird; ein Jahr zuvor lag der Saldo geringfügig höher (+ 13%). Per saldo (+ 17%) am häufigsten erwarteten die Testfirmen im Wohnungsbau eine Zunahme der Auftragsreserven. Während im öffentlichen Hochbau der Saldo ausgeglichen war, gingen im gewerblichen Hochbau per saldo 15% der befragten Unternehmen von größeren Auftragspolstern aus. Im Tiefbau (Saldo: + 10%) gehen die Teilnehmer ebenfalls von einer Ausweitung der Auftragsbestände in den nächsten beiden Monaten aus.

Im Hochbau hat sich das Geschäftsklima leicht eingetrübt. Die im Wohnungsbau sowie im gewerblichen Hochbau tätigen Unternehmen stuften ihre aktuelle Geschäftslage etwas weniger günstig ein als im Vormonat. Im öffentlichen Hochbau waren die Urteile zwar nicht mehr ganz so negativ, dennoch sehen die in diesem Teilsegment tätigen Firmen mit ihrer Lage weiterhin überdurchschnittlich kritisch.

Die Einschätzung für das nächste halbe Jahr fiel im öffentlichen Hochbau und – vor allem – im Wohnungsbau ungünstiger aus als im April; allein im gewerblichen Hochbau waren die Testteilnehmer etwas zuversichtlicher. Der Auslastungsgrad der Gerätekapazitäten verringerte sich leicht auf 74% und lag damit ungefähr auf Vorjahresniveau. Ein Viertel der befragten Hochbauunternehmen meldete Produktionsbehinderungen (Mai 2011: 24%). Verantwortlich hierfür war in erster Linie Auftragsmangel: Mit 16% waren jedoch etwas weniger Firmen davon betroffen als vor Jahresfrist (18%). Die Auftragsbestände verringerten sich im Wohnungsbau von 2,7 auf 2,5 Monate. Im gewerblichen Hochbau stagnierte die Reichweite der Auftragsreserven bei 3,2 Monaten, während sie sich im öffentlichen Hochbau von 2,1 auf 2,3 Monate verlängerte. Im Durchschnitt der Hochbausparten erreichten die Auftragspolster mit 2,8 Monaten exakt den Vorjahresumfang. Den Angaben der Firmen zufolge wurden die Preise etwas seltener heraufgesetzt als in den beiden Vormonaten. Für die nächsten Monate rechneten sie ebenfalls nur mit geringen Preiserhöhungsmöglichkeiten.

Auch im Tiefbau war der Geschäftsklimaindikator etwas rückläufig. Per saldo waren zwar weniger Unternehmen mit ihrer aktuellen Geschäftslage unzufrieden als im April, der Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr sahen sie allerdings skeptischer entgegen als vor einem Monat. Der Maschinenpark war ähnlich ausgelastet wie im April; mit 71% lag der Ausnutzungsgrad jedoch einen Prozentpunkt unter dem Wert des Vorjahres. 29% der befragten Firmen gaben Produktionsbeeinträchtigungen an; vor Jahresfrist traf dies auf lediglich ein Viertel der Betriebe zu. Deutlich mehr Firmen (22%) als im Hochbau (16%) klagten über Auftragsmangel. Die Reichweite der Auftragsbestände erhöhte sich sowohl im Straßenbau als auch im sons tigen Tiefbau geringfügig um 0,1 Monate auf 2,6 bzw. 2,8 Monate. Im Durchschnitt der Tiefbausparten reichten die Auftragsreserven für 2,7 Produktionsmonate, verfehlten das Vorjahresniveau (2,8 Monate) damit jedoch knapp. Nach den Meldungen der Firmen zu schließen, konnten nur vereinzelt Preisanhebungen vorgenommen werden. Die Testteilnehmer gingen zudem davon aus, dass es in den nächs - ten Monaten nur noch geringe Preiserhöhungsspielräume geben dürfte.