02. Juli 2012

Antiker Putz wird wieder lebendig

12-07-02 ipb Ausbau und Fassade - Antiker Putz wird wieder lebendig
Stuckateur Stephan George bei der Rekonstruktion eines gezogenen Stuckprofils (Foto: Fraunhofer IBP)
Eine Ausstellung im Münchner Haus der Kunstinstitute beschäftigt sich mit Material, Technik und Rekonstruktion römischer Wandputze. Dazu gibt es ein praxisnahes Rahmenprogramm, bei dem der Besucher selbst Hand anlegen kann.

Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP haben sich in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschften der Technischen Universität München (TUM) und dem Institut für klassische Archäologie der Ludwigs-Maximilian-Universität München (LMU) über drei Jahre mit antiken, römischen Wandputzen beschäftigt. In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanzierten Projekt »Vitruv und die Techniken des Raumdekors« erarbeitete die interdisziplinäre Forschergruppe zum Einen eine Neuübersetzung der kunsttechnologischen Beschreibung aus Vitruvs »De architectura libri decem«, zum Anderen wurden originale Putze auf ihre Zusammensetzung hin analysiert und in experimentellen Workshops nachgestellt. Die Ergebnisse werden Archäologen und Restauratoren in ihrer Arbeit einen großen Schritt nach vorne bringen. Für die Öffentlichkeit sind die Ergebnisse nun in der Ausstellung "Firmitas et Splendor" (20. Juni bis 17. August 2012) im Münchner Haus der Kunstinstitute, in praktischen Vorführungen und in einem Abschlusskolloquium zu sehen und zu erleben.

Der Startschuss für die Ausstellung fiel am 20. Juni. In den Räumen des Museums für Abgüsse Klassischer Bildwerke München (Haus der Kulturinstitute, Katharina-von-Bora-Straße 10) werden die Projektergebnisse anhand von Texten, Fotos, Filmen, Rekonstruktionen und antiken Originalen u. a. aus Pompeji dem Publikum präsentiert. Die Darstellung eines spannenden Zusammenspiels von philologischer Detektivarbeit, naturwissenschaftlicher Analyse und praktischem Umsetzen bildet den Kern der zahlreichen Exponate.

 

12-07-02 ipb_2 Ausbau und Fassade - Antiker Putz wird wieder lebendig
Stuckateur Stephan George bei der Rekonstruktion glänzender Oberflächen nach Vitruv (Foto: Fraunhofer IBP)
Rahmenprogramm zum Anfassen und Erleben
Besucher der Ausstellung können weit mehr erleben als nur Exponate. Im Rahmen der Ausstellung gibt es beispielsweise die Möglichkeit, sich in einer Leseecke – ausgestattet mit Fachliteratur – in die Thematik zu vertiefen. An einer sogenannten Do-it-yourself-Wand kann jeder selbst zu Kelle und Pinsel greifen oder an den praktischen Vorführungen teilnehmen.

Abschlusskolloquium: 13. Juli, von 9.30 bis 18.00 Uhr im Haus der Kulturinstitute, Katharina-von-Bora-Straße 10, 80333 München, Großer Hörsaal im 2. OG

Im Abschlusskolloquium geben die Mitarbeiter des Fraunhofer IBP gemeinsam mit ihren Partnern Aufschluss über die verwendeten Materialien und Herstellungstechniken, die sie durch die Neuübersetzung der Vitruv-Schriften und die Befunduntersuchungen an antiken Bauten in Rom und Pompeji gewonnen haben. Darüber hinaus werden auch die Ergebnisse der Workshops vorgestellt.

Vorführungen im Rahmen der Ausstellung
10. Juli, 18 Uhr: Ergebnisse des Forschungsprojekts "Vitruv und die Techniken des Raumdekors"
Führung durch die Sonderausstellung mit Dr. Stefanie Correll und Laura Thiemann (TU München) Im Abschlusskolloquium geben die Mitarbeiter des Fraunhofer IBP gemeinsam mit ihren Partnern Aufschluss über die verwendeten Materialien und Herstellungstechniken, die sie durch die Neuübersetzung der Vitruv-Schriften und die Befunduntersuchungen an antiken Bauten in Rom und Pompeji gewonnen haben. Darüber hinaus werden auch die Ergebnisse der Workshops vorgestellt.

26. Juli, 18 Uhr: Antiker Glättputz – Vorführung und archäologischer Kontext
Neben einer Vorführung zur Erstellung eines Glättputzes durch Stuckateur Stephan George, wird Dipl.-Restauratorin Laura Thiemann über ihre Forschungen an antiken römischen und pompeianischen Wandverkleidungen vor Ort berichten. Die Arbeitsweise von Restauratoren bei Untersuchungen von Putzen und Stucken und deren Erkenntnisgewinn werden hierbei anschaulich erläutert.

7. August, 18 Uhr: Glättputze – Vorführung und heutiges Handwerk
In einer praktischen Vorführung durch Stuckateur Stephan George und Restaurator Fritz Lutum werden antike und moderne Techniken zur Herstellung von Glättputzen gegenüber gestellt und für die Zuschauer besteht die Möglichkeit, selbst zur Kelle zu greifen. Daneben erläutert die Restauratorin Dr. Stefanie Correll die Bandbreite der Zusammensetzung von Putzen sowie die Werkprozesse bei deren Herstellung.