31. August 2012

Bauwirtschaft: Eintrübung bei hohem Auftragsbestand

Nach den Ergebnissen des ifo Konjunkturtests hat sich das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe geringfügig eingetrübt. Die Unternehmen waren mit ihrer aktuellen Geschäftslage zwar etwas zufriedener als im Juli. Hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den nächsten sechs Monaten hat die Zuversicht jedoch erneut abgenommen.

Der Ausnutzungsgrad der Geräte stieg leicht auf 73% (saison- und witterungsbereinigt), was dem Vorjahreswert entspricht. Knapp ein Viertel der Testteilnehmer meldete Behinderungen der Bautätigkeit. 13% der Firmen klagten über Auftragsmangel, 7% gaben Arbeitskräftemangel als Behinderungsgrund an. Im Durchschnitt der Bausparten erhöhten sich die Auftragsreserven auf rund 2,9 Monate (saison- und witterungsbereinigt). Derart große Auftragspolster meldeten die Unternehmen erst zum sechsten Mal seit der Wiedervereinigung– zuvor war dies viermal im Jahr 1991 sowie einmal im laufenden Jahr der Fall gewesen. Vor Jahresfrist lag der Auftragsbestand mit 2,8 Monaten nur etwas niedriger.

Die Firmenmeldungen deuten darauf hin, dass die Preise etwas weniger häufig angehoben werden konnten als im Vormonat. Auch für die nahe Zukunft rechneten die Befragungsteilnehmer seltener mit steigenden Preisen. Die Unternehmen beabsichtigen weiterhin, ihren Personalbestand in den nächsten Monaten aufzustocken.

Die Sonderfrage für den Monat August hatte die »mittelfristigen Geschäftserwartungen« der Unternehmen zum Thema. Für das 4. Quartal 2012 rechneten per saldo 17% der Befragungsteilnehmer mit einer »guten« Geschäftslage. Bezüglich des ersten Halbjahres 2013 überwiegen dagegen die negativen Stimmen. So gehen für das 1. Quartal 2013 per saldo 39% bzw. für das Folgequartal 14% der Befragungsteilnehmer von einer »schlechten« Geschäftslage aus.

Im Hochbau hat sich das Geschäftsklima abgekühlt. Die Urteile zur aktuellen Lage fielen im öffentlichen sowie im gewerblichen Hochbau ungünstiger aus als im Juli. Im Wohnungsbau hat die Zufriedenheit dagegen zugenommen. Per saldo meldeten 12% der Wohnungsbaufirmen eine »gute«Geschäftslage. Dies ist der höchste Umfragewert seit der Wiedervereinigung. Dem Geschäftsverlauf in den kommenden sechs Monaten sahen die Unternehmen aller drei Teil sparten skeptischer entgegen. Im gewerblichen Hochbau haben sich die Erwartungen sogar spürbar verschlechtert. Insgesamt verringerte sich der Auslastungsgrad der Gerätekapazitäten im Hochbau geringfügig auf 73% – vor einem Jahr waren es knapp 74%. Die Reichweite der Auftragsbestände stagnierte im Wohnungsbau bei 2,6Monaten. Im gewerblichen sowie im öffentlichen Hochbau vergrößerten sich die Auftragspolster um jeweils 0,1 auf 3,4 bzw. 2,4 Monate. Im Durchschnitt der Hochbausparten wiesen die Unternehmen Auftragsreserven in Höhe von 2,9 Monaten auf (August 2011: 2,8 Monate). Knapp ein Viertel der befragten Firmen berichtete von Baubehinderungen. Mehr als die Hälfte davon führten eine unbefriedigende Auftragslage als Ursache an. Am zweithäufigsten wurde Arbeitskräftemangel genannt (7%). Die Testergebnisse lassen erkennen, dass die Preise seltener heraufgesetzt werden konnten. Nach Ansicht der befragten Unternehmen werden sich die Spielräume für Preiserhöhungen in den nächsten Monaten verringern, wobei eine derartige Entwicklung vor allem für den gewerblichen und den öffentlichen Hochbau erwartet wird.