30. Juni 2016

Wandheizung und Sanierputz im Team

Foto: Knauf/Ernst
Foto: Knauf/Ernst

Der Begriff des »Alten Gemäuers« assoziiert oft die Vorstellung einer unbehaglichen Grundfeuchtigkeit, die auch durch moderne Abdichtungen kaum zu vertreiben ist. Mit einer Kombination aus Wandtemperierung und Sanierputz entstand im Kapuzinerkloster Aschaffenburg jedoch eine wohnlich-trockene und ästhetische Raumatmosphäre.

 

Am Mauerwerk haben die Kapuziner in Aschaffenburg nicht gespart: 65 cm sind die Außenmauern ihres Klosters im Erdgeschoss stark und selbst im Obergeschoss noch 45 cm dick. Eine solide Substanz, die nach Bränden (1813) und Bombentreffern (1944) immer wieder repariert werden konnte und diverse Um- und Anbauten über die Jahrhunderte gutmütig wegsteckte. Auch bei der von 2011 bis 2015 ausgeführten Generalsanierung des Kapuzinerklosters bildete das Mauerwerk den Kern der zu erhaltenden Substanz. »Die Struktur
des Gebäudes konnte trotz der Teilentkernung größtenteils bewahrt werden«, erklärt Wolfgang Michalek, Bauleiter bei der mit der Generalsanierung beauftragten SBW-Bauträger- und Verwaltungs-GmbH. »Komplett erneuert wurden die Treppenhäuser, die sich
als neue Stahl-Glas-Elemente in den Fassaden abzeichnen. Im Eingangsbereich haben wir die Decken entfernt,
sodass sich ein großzügiger Empfangsbereich bis zum Dach öffnet.« Von hier geht es zum Speisesaal, der
Küche sowie den Büro- und Aufenthaltsräumen. Im Obergeschoss befinden sich – teils innerhalb der alten
Klosterstrukturen, teils mit modernen Trockenbauwänden ausgebaut – die Wohnräume der Brüder und
Schwestern.

Sanierputz mit dreifacher Funktion
Die Aura des Ortes wurde also, wo es möglich war, erhalten, wo es nötig war, aber auch durch moderne Funktionalität
ergänzt, etwa bei den neuen Fenstern oder der komplett erneuerten Haustechnik. Diese doppelte Sichtweise
des Bewahrens und Modernisierens prägte auch den Umgang mit dem historischen Mauerwerk. Denn
auch wenn die Wände statisch sicher problemlos weitere Jahrhunderte überstehen werden, zeigten sie doch
die Spuren einiger Feuchteschäden und stellenweise schon Salzausblühungen. Um eine trockene und wohnliche Raumatmosphäre
sicherzustellen, sah die SBW eine Wandheizung vor, die aber nicht primär der Raumerwärmung dient, sondern
vor allem die Wandoberflächen leicht und gleichmäßig erwärmt. Eine solche Wandtemperierung kann akute
Feuchteansammlungen trocknen und künftigen Schäden vorbeugen, ohne dass aufwendige Dämm- oder
Abdichtungsmaßnahmen erforderlich sind. Gerade denkmalgeschützte Ensemble, die möglichst wenig verändert
werden sollen, oder eben Konstruktionen mit sehr dickem Mauerwerk, das sich kaum sinnvoll im ganzen
Querschnitt abdichten lässt, können so dauerhaft eine zeitgemäße Aufenthaltsqualität mit trockenen und schadensfreien Wandoberflächen erhalten.

Sie besitzen ein Printabonnement, oder sind bereits registriert? Jetzt einloggen!
Lesen Sie jetzt den kompletten Artikel.
Angebot auswählen und sofort weiterlesen.
Oder direkt ein Printabonnement?
1 Jahr Ausbau+Fassade für nur 130,75 € inkl. Mwst. und Versand.
Fordern Sie jetzt gleich Ihr Printabonnement an. Zum Formular
Sie besitzen ein Printabonnement, oder sind bereits registriert? Jetzt einloggen!
Sind Sie bereits Abonnent und haben Ihre Zugansdaten vergessen?
Fordern Sie jetzt gleich Ihre Zugansdaten an. Zum Formular