02. Oktober 2017

Hoch hinaus mit WDVS

Stuckateure, Fassade
Fotos: Caparol/Graubner

66 Meter – das derzeit höchste Gebäude mit einem Wärmedämm- Verbundsystem steht in Frankfurt. Doch nicht nur deshalb war der Westside Tower ein ausgesprochen komplexes Projekt. Nicht nur die ­Systeme, sondern auch eine Vielzahl neuer technischer Lösungen standen im Fokus.

Frankfurt am Main wächst. Allein im Jahr 2013 verbuchte die hessische Metropole 15000 neue Einwohner und fast genauso viele neue Arbeits-plätze, Tendenz steigend. Derzeit, so die FAZ, kommen ­wöchentlich 300 neue Einwohner hinzu. Kein Wunder, dass Wohnraum Mangelware ist, obwohl der Wohnbau brummt wie schon lange nicht mehr. Beispielsweise im Europaviertel, jenem Gebiet westlich der City, das bis 1998 als Hauptgüterbahnhof diente und eine reine Fläche von rund 90 Hektar umfasst. 2019 soll dieses große innerstädtische Entwicklungsgebiet vollständig bebaut sein und dann 13000 Bewohnern Platz bieten. Schon jetzt ist eines der markantesten Gebäude bezogen: der Westside Tower. Das 66 Meter hohe Wohngebäude markiert den westlichen Eckpunkt des Quartiers und umfasst 244 Mietwohnungen. Die 1- bis 4-Zimmerwohnungen zwischen 35 und 150 Quadratmetern verfügen alle über Balkon, Loggia oder Terrasse und bieten je nach Lage sowie Geschosshöhe atemberaubende Ausblicke auf die Frankfurter Skyline bis zum Taunus. Im Erdgeschoss ­findet eine sechsgruppige Kindertagesstätte ihren Platz, eine hotelähnliche Lobby und eine Tiefgarage auf zwei Ebenen mit Fahrradstellplätzen runden das Investorenprojekt ab.

Baukörper mit Faltung

Der Baukörper besteht strukturell aus zwei Volumen: aus dem zwanzig­geschossigen Hochhaus sowie einem kleineren, vorgelagerten Bau mit sieben Geschossen und Dachterrassen. Geschossweise umlaufende Bänder, hell abgesetzt, betonen die Horizontale und gliedern die aufstrebende Baumasse. Rücksprünge durch Loggien, auskragende Balkone sowie bodentiefe Fensteröffnungen rhythmisieren die Fassaden intensiv. Damit nicht genug: Der Baukörper steht nicht als monolithischer Block da, sondern als ein prismatisches Objekt. Eine vertikale, über alle Etagen laufende Faltung bringt eine raffinierte Dynamik ins Spiel, macht schlank und unterstreicht die städtebauliche Position des Gebäudes. Die Verschwenkung sorgt überdies für bessere Ausblicke aus allen Wohnungen – ein interessanter ­Nebeneffekt.

WDVS bis 66 Meter Höhe

Nicht sichtbar hingegen ist, was sich unter der Putzoberfläche der Fassade verbirgt: ein mineralisches, nicht brennbares WDVS. Damit wird der Westside Tower zum aktuell höchsten deutschen Gebäude, das ein energetisch wirksames Wärmedämm-Verbundsystem trägt. Doch nicht nur die absolute Höhe macht den Westside Tower zu einem besonderen Projekt, sondern auch die Quantität: Auf rund 8 000 Quadratmetern sum­mieren sich die Dämmarbeiten an den ­Fassaden. Dabei kamen gleich drei Caparol-Dämmsysteme mit Dämmstärken zwischen 120 und 200 Millimeter sowie unterschiedlichen Aufbauten zum Einsatz. Den größten Part übernimmt das WDV-System »Pro Extra«, zwischen den Fenstern und unter den Brüstungsbereichen ist wegen der niedrigen Hellbezugswerte der Deckbeschichtung das speziell für intensive und dunkle Farbtöne ent­wickelte System »Carbon Extra« appliziert.

Basalt-Sockel und umlaufende Profile

Auch hinter der dunklen Steinoberfläche des Erd­geschosses verbirgt sich ein spezielles WDVS. Die 500 Quadratmeter große Sockelfläche basiert auf dem ­»Lithoboard«-System mit der besonders abrissfesten und verdübelten Mineralwolle-Lamelle VB 101, einer Gewebe­armierung mit Dübelung und der Naturstein-Verkleidung aus echtem italienischen Basalt. »Ursprünglich befanden sich noch ein Muschelkalk sowie ein Sandstein in der engeren Auswahl«, ­erklärt Jörn Gehrig, Bauingenieur und Technischer Leiter bei Caparol für das ­Gebiet Mitte. »Aufgrund seiner ausdrucksstarken Farbigkeit sagte der Basalt dem Investor jedoch am meisten zu«. Speziell nach individueller Stückliste in zehn verschiedenen Formaten gefertigt, wurden die zehn Millimeter starken ­Basalt-Platten auf dem WDVS verklebt.

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