Keller sanieren: Grundlagen

Innendämmung und Raumklimaregulierung
Fotos: Kollmann

Feuchtigkeit, Salze und Schimmel in Kellerräumen sind keine Schönheitsfehler, sondern ernste Gefahren für Bausubstanz und Bewohner. Für die Sanierung von Kellern gilt es zunächst, die Ursachen zu erkennen und mit gezielten Maßnahmen dagegen vorzugehen. Durchdachte Planung, geeignete Materialauswahl und sorgfältige Verarbeitung können Keller nutzbar beziehungsweise bewohnbar machen und mit Lebensqualität erfüllen.

Die Kellersanierung gehört zum Bauen im Bestand. Daher sind ganz andere Kriterien anzulegen als beim Neubau. Es gilt das Prinzip: Erst denken, dann dichten, dann dämmen!

1. Denken und prüfen

Ganz zu Anfang stellt sich die Frage: Wie ist die Situation in diesem Keller? Wie soll er später genutzt werden? Daran schließen sich, je nach Belastung der Kellerwände, weitere Fragen an: Woher kommt die Feuchtigkeit? Woher kommen die Salze? Woher kommt der Schimmel? Und: Was tun dagegen?

Grundsätzlich kann gesagt werden: Zur Sanierung von feuchten und salzbelasteten Kellerwänden sind eine Abdichtung und ein Sanierputzsystem vorzusehen. Zur Sanierung von Kondenswasser- und Schimmelschäden müssen eine Schimmelbeseitigung, eine Wärmedämmung sowie eine Raumklimaregulierung durchgeführt werden.

Schadensursache von außen ist eindringende Feuchtigkeit, die durch Druck oder kapillar transportiert wird. Von innen beziehungsweise durch die Nutzung können Schäden durch eine unsachgemäße Innendämmung, hohe Raumluftfeuchtigkeit, falsches Lüften und unzureichendes Heizen hervorgerufen werden. Oft wird übersehen, dass Keller im Sommer nicht gelüftet werden sollen. Trifft warme, feuchte Luft von außen auf die kalten Kellerwände, entsteht Kondenswasser, was zu Schimmelschäden führen kann. Sind keine Baumängel vorhanden, so liegt die Ver­mutung nahe, dass die Schäden durch die Nutzer verursacht wurden.

Aufgrund der Untersuchungsergebnisse wird die Sanierung festgelegt. Hierbei sind die Einsatzmöglichkeiten der Materialien und deren Anwendungsgrenzen zu beachten. Mitunter sollen Keller, die zuvor als Lager oder Ähnliches genutzt wurden, einer hochwertigen Nutzung (zum Beispiel Geschäftsräume, Gastronomiebetriebe) zugeführt werden. Hierbei handelt es sich oft um ­Gewölbekeller, die nie verputzt waren. Dabei kommt meist der Gedanke auf, sie steinsichtig zu lassen. Dies ist jedoch nur selten möglich. Solche Kellerräume sind nie dafür gedacht gewesen, dass sich hier Personen längere Zeit aufhalten und vor allem, dass hier geheizt wird. Das Mauerwerk ist in der Regel feucht und salzbelastet. Durch das Heizen trocknet die Mauerwerksoberfläche ab, die Salze kristallisieren und führen zu Zerstörungen. Maßnahmen wie Hydrophobierung oder Steinfestigung vergrößern den Schaden nur. Daher ist eine Mauerwerksdiagnose besonders wichtig. In vielen Fällen lässt es sich nicht vermeiden, ein Sanierputzsystem aufzutragen. Dieses nimmt die Salze auf und schafft eine trockene, saubere Oberflächen.

2. Dichten

Jedes Gebäude muss durch ausreichende Abdichtungen vor dem Eindringen von Wasser geschützt werden. Dabei erfolgt die Bauwerksabdichtung in der Regel an der »aktiven«, also der dem Wasser zugewandten Seite. Dies ist der Idealfall. Bei der Kellersanierung ist es jedoch oft unumgänglich, an der »passiven« Seite gegen rückseitig einwirkendes Wasser abzudichten, wenn der Außenbereich nicht zugänglich ist.

Die Abdichtung der Kellerwände hat immer die Form eines »L«. Bei der Innenabdichtung steht das »L« auf dem Kopf. Das heißt, die horizontale Abdichtung wird nicht im unteren, sondern im oberen Bereich der Wand eingebracht, damit das Wasser nicht weiter nach oben steigen kann.

Wassereinbrüche müssen mit einem Stopfmörtel, der innerhalb weniger ­Sekunden erhärtet, geschlossen werden. Dringt Wasser durch den Wand-/Bodenanschluss, so wird eine sogenannte Sperrhohlkehle angebracht. Dazu wird zunächst der Anschluss einige Zentimeter tief aufgeflext. Diese Nut wird mit Dichtschlämme vorgestrichen und mit Sperrputz ausgefüllt, wobei eine Hohlkehle gebildet wird. Weitere Möglichkeiten der Abdichtung am Wand-/Boden­anschluss sind Injektionen mit Kunst- harzen. Bewegungsfugen und Durchdringungen werden flexibel eingedichtet.

Eine komplette Abdichtung umfasst sowohl die senkrechten Flächen (innen oder außen) als auch den waagerechten Wandquerschnitt. Senkrechte und waagerechte Abdichtungsflächen müssen aneinander anschließen, wobei sich die Abdichtungsebenen mindestens 20 cm weit überlappen. Im Innenbereich müssen sie mit dem Boden eine »Wanne« bilden. Die Flächenabdichtung erfolgt mit zementgebundenen Sperrputzen und Dichtschlämmen. Bei rückseitig drückendem Wasser ist eine Auflast auf der Abdichtung erforderlich. Sicherzustellen ist, dass die Abdichtung nicht im Nachhinein durch Befestigungen oder Durchdringungen beschädigt wird.

Bei der nachträglichen Innenabdichtung bleibt die Wand selbst nass. Es gibt Verfahren, mit denen das von außen kommende Wasser bereits vor Erreichen der Wand beziehungsweise innerhalb der Wand abgefangen werden soll. Für diese so genannten Schleier- oder Flächenabdichtungen werden porenverstopfende und/oder hydrophobierende Wirkstoffe beziehungsweise Suspensionen oder Kunstharze eingesetzt. Es handelt sich hierbei um Verfahren, die den Einsatz spezieller Maschinen und erfahrener Fachunternehmen erfordern. Um die vertikale Innenabdichtung vollflächig auszuführen, können die Zwischenwände abgetrennt werden. Möglich ist auch, durch Injektionen eine Sperrschicht innerhalb der Zwischenwand am Anschluss zur Außenwand einzubringen. Alle diese Verfahren werden im WTA-Merkblatt 4-6-14/D »Nachträgliches Abdichten erdberührter Bauteile« beschrieben (siehe dazu auch die Schema- zeichnungen im InfoPlus).

Hygroskopische Salze nehmen Feuchtigkeit aus der Luft auf und können daher mit einer Abdichtung allein nicht ­be-kämpft werden. Hier muss ein Sanierputzsystem gemäß WTA-Merkblatt 2-9-04/D »Sanierputzsysteme« zum Einsatz kommen. Gerade im Kellerbereich ist es äußerst wichtig, dass für eine Durchtrocknung des Putzes gesorgt wird. Nur so kann er seine dichtenden beziehungsweise wasserabweisenden Eigenschaften erreichen. Dazu muss während der Erhärtungsphase die Luftfeuchtigkeit ­reduziert werden. Dies kann durch Lüften, vorsich-tiges Heizen oder durch den Betrieb von Kondenstrocknern erreicht werden.

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