Stress und Erholung in Balance

Erholen, Balance, Unternehmen, Stress
1. Zuviel Stress? Statt ständig irgendein selbstgestecktes Plansoll abzuarbeiten, sollte man regelmäßig etwas tun, das einem Energie und Lebensfreude schenkt

Stress! Ein Wort, das derzeit in weiten Teilen der Ratgeberliteratur zu finden ist; ein Zustand, den so ziemlich jeder kennt. Sechs von zehn Befragten gaben 2016 bei einer Umfrage des Marktforschungs­instituts forsa an, zumindest manchmal gestresst zu sein. Und fast ein Viertel fühlt sich sogar oft unter Druck – mit zum Teil negativen körperlichen Auswirkungen:

Unruhe, Erschöpfung, Kopf-, ­Nacken- und Rückenschmerzen, Magen- und Darmproblemen und Schlaflosigkeit. Im schlimmsten Fall drohen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und Burnout.

Dabei ist Stress evolutions­geschichtlich betrachtet durchaus etwas Positives: In gefähr­lichen Situationen wird unser Körper mit den Hormonen Kortisol, Adrenalin und Noradrenalin geflutet und damit zu körperlichen und geistigen Höchstleistungen befähigt: Kampf, Flucht, Auseinandersetzung. Doch da sich die Gefahren- und Belastungslage des Menschen seit den Zeiten des viel zitierten Säbelzahn­tigers gewaltig verändert hat, fällt heutzutage das wichtige Gegengewicht zur Anspannung in Stresszeiten häufig weg: Erholung und Bewegung.

Bewusste Auszeiten einplanen

»Dem Stress müssen Ausgleich und ­Erholung gegenüberstehen«, sagt Katja Keller-Landvogt, Fachberaterin für ­Betrieb­liches Gesundheitsmanagement bei der IKK classic in Freiburg und Expertin für das Thema Stress und psychische Gesundheit. »Viele Menschen machen in ihrer Freizeit gerade weiter mit dem Stress und sind dauernd dabei, noch das, das, das und das zu erledigen. Das hat natürlich seine Berechtigung. Doch gleichzeitig hat es auch seine Berechtigung, wieder Energie aufzutanken. Denn ohne Energie kann man am Ende nichts mehr erledigen.«

Statt ständig irgendein selbstgestecktes Plansoll abzuarbeiten – oder aber sich vor dem Fernseher abzulenken – rät sie, bewusste Auszeiten einzuplanen: einen Spaziergang in der Natur, ein Treffen mit guten Freunden oder irgend etwas anderes, das einem Energie und Lebensfreude schenkt. »Wichtig für die Energiebilanz ist es, ­wieder zu lernen, auch mal nichts zu tun – ohne Input, ohne Medien«, betont die Expertin. Das fällt oft richtig schwer. Ihr Rat: deshalb langsam anfangen und erst einmal zwei, drei Minuten am Tag nur atmen und sich dabei beobachten. Und dann langsam die Zeit steigern. »Wenn man dann zusätzlich die Dinge, die man erledigen möchte, mit Achtsamkeit (siehe Kasten)  tut, hat man eine effektive Stressbewältigungsstrategie«, so Katja Keller-Landvogt.

Stressquellen identifizieren

Ein einleuchtendes Modell für »Gesundheit« ist die so genannte »Belastungs-Ressourcen-Waage«. Im Idealfall halten sich die persönlichen Belastungen und Ressourcen die Waage. Wenn die Belastungen im Leben – privat und/oder ­beruflich bedingt – zu schwer wiegen, kann das Gleichgewicht wieder hergestellt werden. Zum Beispiel, indem man die Belastungen reduziert. So lassen sich im Arbeitsalltag möglicherweise un­nötige Stressquellen in den Abläufen identifizieren und dann im Gespräch mit der Führungskraft und den Kollegen abstellen oder verringern. Katja Keller-Landvogt nennt hier das Beispiel »Belastung durch Informationsflut«. Hier schlägt sie vor, sinnvolle Regeln und Zuständigkeiten zu vereinbaren, damit nicht jeder alles lesen muss.

»Aber es lassen sich nicht alle belastenden Situationen ändern, zum Beispiel in Zeiten von Veränderungen und Umstrukturierung. Gerade dann ist es wichtig, bewusst ein entsprechendes Gegengewicht auf der Ressourcenseite zu platzieren – am besten im Arbeits- und Privatleben«, erklärt Katja Keller-Landvogt. Damit lassen sich auch größere ­Belastungen ein gutes Stück weit ausgleichen und die Waage kann sich wieder in Richtung Gleichgewicht bewegen.

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