Gelebte Integration

Jörg Ottemeier (r.) mit seinem neuen Auszubildenden Hawkar Mahmod
Fotos: Lindemann

Die Flüchtlingspolitik ist seit Monaten Thema der Nachrichten. Dabei wird unter anderem auf die Chance verwiesen, dem Fachkräftemangel mit qualifizierten Flüchtlingen entgegenzuwirken. Wie das aussehen kann, zeigt der Stuckateur-Fachbetrieb von Jörg Ottemeier. Seit Ende des vergangenen Jahres ist Hawkar Mahmod, ein Flüchtling aus dem Irak, dort Auszubildender.

Fachkräftemangel – das ist auch im Stuckateurhandwerk längst ein Thema. »Das Ansehen unseres Berufsstandes in der Gesellschaft ist sehr schlecht«, findet Landesobermeister Jörg Ottemeier. Für ihn sei seinerzeit noch ganz klar gewesen, Stuckateur werden zu wollen. Inzwischen sei es schwierig, Jugendliche für den Ausbildungsberuf zu begeistern. Wenn dann auch noch Pech dazukommt, ist es ein Problem, die eigenen Reihen aufzufüllen.

Jörg Ottemeier weiß, wovon er spricht. Zum Beginn des Ausbildungsjahres hatte er zwar einen Auszubildenden, der sagte allerdings kurzfristig ab. Die Ausbildungsstelle drohte unbesetzt zu bleiben, wodurch auch eine Arbeitskraft auf der Baustelle gefehlt hätte. Doch dann kam es zu einem glücklichen Zufall. In den Niederrhein-Nachrichten las Ottemeiers Frau von zwei handwerklich begabten Flüchtlingen aus dem Irak in Xanten. Einer von ihnen hatte bereits Erfahrung als Stuckateur: Hawkar Mahmod. Jörg Ottemeier, der selbst seit einigen Jahren seinen privaten Wohnsitz in der Stadt am Niederrhein hat, nahm Kontakt mit den Ämtern auf und entschloss sich, Hawkar Mahmod nach einem ersten Kennenlernen als Auszubildenden einzustellen.

Von allen Ämtern verlassen

Was für den Stuckateur-Fachbetrieb von der personellen Seite ein Glücksfall war, stellte ihn bürokratisch direkt vor neue Herausforderungen. Denn Hawkar Mahmod verfügte zwar über die notwendige Aufenthaltsgenehmigung für die Anstellung und freute sich über den Lehrvertrag, allerdings unterlag er mit seiner Unterschrift nicht mehr der Zuständigkeit der Ämter. »Zum ersten Dezember hatte ich meinen neuen Auszubildenden eingestellt, das erste Gehalt gab es dann aber natürlich erst Mitte Januar«, so Ottemeier. Doch wo sollte Hawkar Mahmod in der Zwischenzeit wohnen? Wie sollte er von Xanten aus nach Essen, dem Firmensitz kommen? Mit diesen Fragen standen der neue Auszubildende und der Fachbetrieb alleine da. Von den Ämtern gab es – vor allem auch wegen des Wechsels der Stadt – keine Unterstützung.

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