Nicht vergleichbar sein

Stuckateur des Jahres 2018, Hermann Blattner, Stuckateurbetrieb
Das Stuckateurunternehmen Gröber in Stuttgart/ Untertürkheim signalisiertmit dem Plakat vor dem Firmensitz den Stolz auf die Auszeichnung »Stuckateur des Jahres 2018«. Unternehmerehepaar Iris und Hermann Blattner mit dem Pokal

Der Stuckateurbetrieb Christian Gröber aus Stuttgart/Untertürkheim hat den Titel »Stuckateur des Jahres 2018« gewonnen. Die Jury sieht das Unternehmen als Vorreiter im Stuckateurhandwerk. Wir sprachen mit Geschäftsführer Hermann Blattner über seine Pläne und Strategien.

Herr Blattner, herzlichen Glückwunsch zum Branchentitel » Stuckateur des Jahres 2018«. Haben Sie damit gerechnet?

Das war eine große Überraschung für uns. Wir haben uns spontan und recht spät zur Teilnahme am Wettbewerb entschieden. Die Idee entstand bei der Weihnachtsfeier unseres Ausbau-Manager-Zirkels. Auch wenn es kurzfristig war, sagte ich mir: Wenn ich mitmache, dann richtig! Abgabetermin war schon der 31. Dezember. Wir mussten auf die Tube drücken.

Zunächst haben wir schnell ein Video gedreht. Fotos konnte ich beisteuern. Aber die eigentliche Arbeit hatten unser Azubi zum Ausbau-Manager Max Friedel und meine Tochter Luisa. Sie arbeiteten an der Bewerbung intensiv an drei Tagen jeweils zehn Stunden.  Am Ende konnten wir uns mit der Präsentation sehen lassen.

Das Unternehmen Christian Gröber beschäftigt über 60 Mitarbeiter und dürfte der größte Stuckateur­betrieb in der Region sein. Ist das ein Vorteil?

Es kommt immer darauf an, wie man Größe definiert. Wir arbeiten nur mit eigenen Mitarbeitern. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Firma Gröber in der Stuckateurinnung Stuttgart das größte Unternehmen. In der Region gibt es aber auch größere Unternehmen, die mit Subunternehmern agieren. Nachdem ich es einmal probiert habe mit Nachunternehmern zu arbeiten, habe ich festgestellt, dass das nicht unser Weg ist. Unsere Stuckateurleistungen erbringen nur unsere Leute. Wir sind aber auch im Komplettausbau und in der Komplettsanierung tätig. In diesen Fällen arbeiten wir mit anderen Unternehmen zusammen. Dies sind dann aber Meisterbetriebe mit eigenen Mitarbeitern.

Blicken wir in die Zukunft. Wie sehen Sie die Entwicklungen im Stuckateurhandwerk?

Ich sehe viele Chancen und Risiken. Auf der einen Seite habe ich große Sorgen um unser Gewerk, wenn es um den Preisvergleich geht: im Neubau, bei öffentlichen Ausschreibungen, im Massengeschäft. Solche Aufträge werden dann an Subunternehmen weiterver­geben. Hier sehe ich für uns keine Zukunft. Unsere Kostenstruktur passt nicht dazu.

Auf der anderen Seite sehe ich, dass der Markt händeringend nach Unternehmern sucht, die sich kümmern und sich der Probleme vor allem in der Sanierung annehmen. Viele Menschen haben schlechte Erfahrungen mit Handwerkern gemacht. Hier sehe ich große Chancen. Empfehlungen und die Bildung einer guten Marke führen zu einer Kundenstruktur, bei der nicht die Stuckateurleistung im Fokus steht, sondern zum Beispiel die Sanierung oder der Umbau. Hier hat man ein freies Feld und kann mit fairen Preisen kalkulieren, die für beide Seiten auskömmlich sind und die dann auch akzeptiert werden. Hier habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Nach meiner Ansicht ist das für unsere Branche eine große Chance.

2. Referenzobjekt Mercedes-Benz Museum: Gröber übernahm die Planung und Ausführung der akustisch wirksamen, multifunktionalen Decke im neu entstehenden Markenraum 2. Referenzobjekt Mercedes-Benz
Museum: Gröber übernahm die Planung
und Ausführung der akustisch wirksamen,
multifunktionalen Decke im neu entstehenden
Markenraum
3 Der Ausbau-Manger-Zirkel trifft sich einmal im Monat (v.l.): Luisa Blattner, David Steck, Max Friedel, Antoni Tomic und Christian Blattner 3. Der Ausbau-Manger-Zirkel trifft sich einmal
im Monat (v.l.): Luisa Blattner, David Steck,
Max Friedel, Antoni Tomic und Christian Blattner

Wie schwierig ist die Preissituation für den traditionellen Stuckateur?

Ich kann hier nur für den Stuttgarter Raum und aus unserer Erfahrung sprechen. Wir waren nie der Neubaugipser. Wir haben nur eine G4 bei  60 Mitarbeitern. Wir arbeiten im Ausbau und haben nur kleinere Maschinen. Der Kunde will oft einen Pauschalpreis. Das ist ein Vorteil für uns, da wir nicht mehr vergleichbar sind und der Kunde mein Angebot nicht einfach so weitergeben kann.

In den Wettbewerbsunterlagen haben Sie die Baustelle im Mercedes-Museum in Stuttgart als Referenz ausgewiesen. So ein Auftraggeber orientiert sich sicherlich auch am Preis.

Der Preis war hier nicht das Kriterium. Ausschlag­gebend waren Schnelligkeit und das Vertrauen in die Leitungsfähigkeit, da wir hier das Schlüsselgewerk waren und wir der Architektin empfohlen wurden. Ich muss aber zugeben, dass wir uns mit unserer ­Strategie den Weg verbauen, über günstige Preise an große Kunden und das folgende Geschäft zu kommen.

Was ist für Sie als Unternehmer noch wichtig?

Ich empfinde die Innungs- und Verbandsarbeit inspirierend. Dabei habe ich viel gelernt und mitgenommen. In das Ehrenamt investiert man schon die eine oder andere Stunde, aber man trifft auch auf gute Stuckateure, die manchmal bessere Unternehmer sind, als man selbst einer ist. Kontakte und Netzwerken sind wichtig. Nur so bin ich auch zu dem Forschungsprojekt Handwerk 4.0 gekommen. Wichtig sind auch eine Vision und eine positive Einstellung. Diese vermisse ich manchmal bei den Kollegen.

An der Digitalisierung kommt niemand vorbei. Wie gehen Sie dieses Zukunftsthema an?

Die Digitalisierung ist vielschichtig. Zwingend sind eine Homepage und die Präsenz in Social-Media. Das ist leicht zu verstehen. Schwieriger wird es, wenn es um die Betriebsorganisation geht. Vor zwei Jahren habe ich begonnen, den Maschinenpark digital zu erfassen und zu verwalten. Davon bin ich inzwischen wieder abgekommen, weil der Aufwand zu groß war. Jetzt arbeiten wir wieder mit Magnetkärtchen.

Andererseits verwenden wir Apps, die man auf seine Bedürfnisse anpassen kann, zum Beispiel bei der ­Materialbeschaffung und -verwaltung. Hier bieten auch die Lieferanten und Hersteller Unterstützung. Bei der Digitalisierung müssen die Mitarbeiter mit ­eingebunden werden. Hier ist Fingerspitzengefühl ­gefragt, um Akzeptanz zu schaffen.

Man muss aber nicht alles »auf Teufel komm raus« digitalisieren. Die Lösungen müssen auf den Betrieb zugeschnitten sein. Wenn man einen schlechten Prozess hat, bleibt er auch mit der Digitalisierung ein schlechter Prozess.

Ist BIM, also das digitale Abbilden von Planungs-, Bau- und Nutzungsprozessen, auch ein Thema für Sie?

Davon sind wir noch weit weg, weil wir aus der Sanierung kommen.  Ich habe noch von keiner Baustelle gehört, bei der BIM richtig funktioniert hat.

Sie sind auf Facebook mit der Seite »Gröber – Next Generation« präsent. Wie kommt das?

Unser Ausbaumanager-Zirkel hat beschlossen, mit einem eigenen, jungen Auftritt in den Sozialen Medien online zu gehen. Hierzu zählt diese Facebook- Seite und ein Instagram Account. Wir sind aber noch bei der Erkundung. Wer weiß, was daraus wird?

Das hilft sicherlich auch bei der Besetzung von Lehrstellen?

Tatsächlich haben wir kein großes Problem, Auszubildende zu finden. Das liegt aber in erster Linie an der sauberen Markenführung.  Wir bilden momentan auch drei Ausbau-Manager aus. Diese Ausbildung ist für die jungen Leute und für den Ausbildungsbetrieb eine gigantische Chance. Meine Tochter und mein Sohn haben auch diesen Weg eingeschlagen und lernen in anderen Ausbildungsbetrieben. Zurzeit sind zwei Praktikanten bei uns, die sich dafür interessieren. Das sind keine typischen Lehrlinge. Das Ausbildungsmodell wirkt sich auch positiv auf die Motivation der Mitarbeiter aus.

5 Gröber arbeitet nurmit eigenenMitarbeitern und deckt damit die Kernkompetenz im Bereich Stuckateur- undMalergewerk ab.

5. Gröber arbeitet nurmit eigenenMitarbeitern und deckt damit die Kernkompetenz im Bereich Stuckateur- und Malergewerk ab

Die Jury des Wettbewerbs »Stuckateur des Jahres« spricht Ihrem Unternehmen eine Vorreiterrolle zu. Was könnten andere, auch Betriebe mit weniger ­Mitarbeitern, von Ihnen lernen?

Ich sehe die Firma Gröber nicht als typischen großen Betrieb. Neben mir gibt es noch vier Meister und wir sehen uns alle als Problemlöser. Die Größe bietet Vorteile in der Außenwirkung, im Marketing und in der Markenbildung. Aber auch ein kleiner Betrieb kann seinen Kunden das Gefühl geben, bei ihm gut aufgehoben zu sein – durch gute Beratung und durch das Netzwerk mit anderen guten Unternehmen. Hier möchte ich meine Kollegen auffordern: Bilden Sie sich fort! Arbeiten Sie in der Innung mit! Tauschen Sie sich mit Ihren Kollegen aus! Der Wettbewerb sind andere, und nicht Ihr Innungskollege, der seine Arbeit gut macht.

Der Branchentitel ist auch mit einem Preisgeld ­verbunden. Wie verwenden Sie es?

Zuerst haben wir unsere Mitarbeiter zu einem Grillfest eingeladen und das Ereignis gefeiert. Das haben wir ganz spontan gemacht.

Im Juni planen wir ein Fest für unsere Kunden. Wir wollen mit ihnen feiern, aber auch Inhalte bieten. In Zusammenarbeit mit den Sponsoren des Wett­bewerbs und Lieferanten bieten wir Vorträge zu interessanten Themen wie Schimmel, Akustik und Brandschutz an. Dazu laden wir gute Kunden, Architekten und Bauleiter ein. Die Veranstaltung wird ganz ­bewusst an einem Abend unter der Woche stattfinden und soll eine Kontaktbörse sein. Vorher wollen wir den Betrieb auf Vordermann bringen, das Lager herrichten und unser Büro renovieren.

Selbstverständlich werden wir den Branchentitel für die Außendarstellung nutzen, zum Beispiel mit Auf­klebern auf den Fahrzeugen. Wir planen aber auch nach innen Maßnahmen zur Motivation der Mitar­beiter.   

Interview:  Paul Dolt

Ausgabe 05 / 2018

Artikel als PDF herunterladen

Herunterladen

Bilder aus dem Artikel:

  1. Groeber-1 Ausbau und Fassade - Nicht vergleichbar sein
  2. Groeber-2 Ausbau und Fassade - Nicht vergleichbar sein
  3. Groeber-3 Ausbau und Fassade - Nicht vergleichbar sein
  4. Groeber-4 Ausbau und Fassade - Nicht vergleichbar sein