01. Januar 2016

Luftdichtung für das Dach

Moll_4 Ausbau und Fassade - Luftdichtung für das Dach

Warum ist eine Luftdichtung zum Schutz einer Dachkonstruktion geeignet und wie energieeffiezient ist das Ganze? Holztechnik-Ingenieur und Autor Lothar Moll beantwortet diese Fragen.

»Kein Dämmen ohne Abdichten« - das unterstrich kürzlich die Verbraucherzeitschrift Stiftung Warentest in ihrer Ausgabe von April 2012: Die Dichtung der Gebäudehülle ist der kleine, aber unverzichtbare Partner bei einer fachgerechten Dämmung. Sie ist die entscheidende Größe für die Funktionsfähigkeit von Wand-, Decken- und Dachkonstruk­tionen - für deren Bauschadensfreiheit, Energieeffizienz und daraus folgend auch für die Wohngesundheit (siehe ­Infokasten 1 – Warum Luftdichtung?). Die Herausforderung bei der Luftdichtung sind die Schnittstellen der ­Gewerke, welche sorgfältig koordiniert werden müssen, um eine hohe Ausführungsqualität zu gewährleisten. ­
An der Luftdichtungsebene treffen sich unter anderem Zimmerleute, Elektriker, Gas-/Wasserinstallateure und Schreiner beziehungsweise Tischler. Handwerker, die sich im Klaren darüber sind, mit welchen Funktionsebenen sie umgehen, sind klar im Vorteil.
Wer ein Dach­geschoss ausbauen will, sollte die Luftdichtungsebene vorher genau planen. Denn bei der Luftdichtheit muss nicht nur in der Fläche des Dachs geplant, es müssen auch Details, Anschlüsse und Durchdringungen ­bedacht werden. ­Gerade im Dach ­werden Konstruktionen häufig mit Durchdringungen versehen. Beispielsweise durch Schornsteine, ­Sanitärentlüftungen, Antennenkabel und Solartechnik.

Luftdichtung beim Dach
In Holzbaukonstruktionen wie dem Dach werden zur Luftdichtung entweder Holzwerkstoffplatten oder Dampfbrems- und Luftdichtbahnen verwendet. Platten und Bahnen werden untereinander zum Beispiel mit Klebebändern luftdicht verklebt (siehe Bild 1). In Bezug auf die Luftdichtheit bieten diese ­beiden Materialien ähnliche Qualitäten. Beim ­Wasserdampfdiffusionswiderstand gibt es jedoch Unterschiede.
Intelligente Bahnen mit einem variablen Diffusionswiderstand sind im Winter diffusionsdichter und im Sommer diffusionsoffener. Sie verschaffen dem Bauteil ein besonders großes Bauschadensfreiheitspotential, da bei diesen Bahnen unvorhergesehen eingedrungene Feuchte (durch Konvektion, feuchte Baustoffe und Flankendiffusion) durch Umkehrdiffusion wieder aus dem Bauteil einweichen kann. Das Bauschadensfreiheitspotential beschreibt die Feuchtigkeitsmenge, die in einem Bauteil vorhanden sein könnte und innerhalb eines Jahres heraustrocknen kann, ohne dass es zu einem Bauschaden kommt. Damit bieten feuchtevariable Bahnen auch bei unvorhergesehenen Feuchtebelastungen einen erhöhten Schutz gegen Schimmel in der Konstruktion (siehe Abbildung 2 und Infokasten 2 – Exkurs in die Bauphysik).
Das Diffusionsprofil der Bahnen sollte so gewählt werden, dass sie sowohl in Feuchträumen, als auch in feuchtem Baustellenklima eingesetzt werden ­können. Gute Sicherheit besteht, wird die 60/2 und 70/1,5 -Regel eingehalten (siehe Infokasten 3: Wahl der richtigen Bahn.

Luftdichtheit ist eine Detailfrage
Die Luftdichtungsebene beim Dach­geschoss wird fast immer durch Anschlüsse an andere Bauteile, Durchdringungen und Einbauteile unterbrochen. Hierdurch entstehen Leckagen in der Gebäudehülle, die mit geeigneten ­Detaillösungen abgedichtet werden müssen. Die Stöße müssen mit geeigneten ­Klebesystemen abgeklebt werden. Für im Vorfeld absehbare Durchdringungen gibt es entsprechend vorgefertigte Manschetten (siehe Abbildung 3).
Diese sind auch für nachträgliche ­Abdichtungen, Einzelkabel und Kabelbäume verfügbar (siehe Abbildung 4).

Sicherheit mit Installationsboxen
Im Holzbau sind Konstruktionen mit ­einer innenseitigen Installationsebene optimal. In einem Hohlraum zwischen der Luftdichtheitsebene und der Innenverkleidung können Installationen wie Elektro-, Heizung- und Wasserleitungen liegen, ohne dass sie die Luftdichtungsebene durchdringen.  
Wird ohne eine Installationsebene gearbeitet, müssen auch Schalter und Steckdosen luftdicht eingebaut werden. Hier haben sich Installationsboxen besonders bewährt (siehe Abbildung 5). Für alle Durchdringungen gilt unabhängig von der Bauart, dass vorgefertigte Detaillösungen die höhere Sicherheit bieten und schneller montiert sind als Baustellenlösungen. Gerade bei den Dichtungsversuchen mit Klebebändern gilt nicht: Viel hilft viel, sondern: sauber, einfach, sicher, schnell hilft am meisten.

Qualitätskontrolle
Weil bereits kleine Fugen große Aus­wirkungen auf die gesamte Luftdichtheit der Gebäudehülle haben, macht es Sinn, nach der Verarbeitung die Dichtheit zu überprüfen. Dazu bieten sich Differenzdruckmessgeräte an (zum Beispiel Wincon oder Blower-Door, siehe Abbildung 6). Mit einem großen ­Gebläse wird ein Druckunterschied ­zwischen ­Innen- und Außenraum hergestellt und die Belas­tung der ­Gebäudehülle bei starkem Wind simuliert. Leckagen ­können dann bereits mit dem bloßen Handrücken gut wahr­genommen ­werden.
Der beste Zeitpunkt für den Test ist nach Abschluss der Luftdichtungs­arbeiten und vor dem Anbringen der ­Innenverkleidung. Dadurch können eventuelle Leckagen beispielsweise mit Klebebändern, sofort und unkompliziert abgedichtet werden.

Wichtige Fragen
Vor der Verarbeitung sollten wichtige Fragen geklärt worden sein:
• Welche Bauteilschichten sind geplant, muss der Aufbau überprüft werden? (Systemhersteller und Technik-Hotline konsultieren)
• Vor Beginn der Arbeiten die Luftdichtungs- und Dämmebene planen: Wo ­liegen die Wärmedämm- und Luftdichtungsebenen? Wo müssen diese an die angrenzenden Bauteile angeschlossen werden? Welche Durchdringungen entstehen?
• Welche Lösungen gibt es für Details?

Fazit
Das Herstellen der Luftdichtheit ist eine lösbare Aufgabe. Optimale Ergebnisse werden erzielt, wenn im Vorfeld die ­Lage der luftdichten Ebene und deren Anschlüsse an die nächsten Bauteile ­geplant werden und entsprechende ­Arbeitsmittel zur Verfügung stehen.

Links und Literatur
[1] Freies Experten-Forum für energie­effizientes und wohngesundes ­Bauen – mit Verarbeitungstipps www.wissenwiki.de
[2] Moll bauökologische Produkte GmbH: Wissen 2012/13 - Studie »Berechnung des Bauschadens­freiheitspotentials von Wärme­dämmungen in Holz- und Stahlbaukonstruktionen«, 2012, S. 69, auch online ­kostenfrei zum Download: http://procli.ma/2m
[3] Qualitätssicherung: Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen www.flib.de
[4] Herstellung der Luftdichtungsebene: www.proclima.de

Abbildungen: Moll                                                                                             Ausgabe: 9/2012

  1. Moll_1 Ausbau und Fassade - Luftdichtung für das Dach
  2. Moll_10 Ausbau und Fassade - Luftdichtung für das Dach
  3. Moll_2 Ausbau und Fassade - Luftdichtung für das Dach
  4. Moll_3 Ausbau und Fassade - Luftdichtung für das Dach
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  6. Moll_5 Ausbau und Fassade - Luftdichtung für das Dach
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